Reisen

 

Am Sonntag ist es so weit:

Wir, mein Mann und ich, machen eine kleine Tour durch D, mit drei Aufenthalten bei Freunden.

Auf die Freunde freue ich mich, auf den Umgebungswechsel freue ich mich (mal raus aus der Stadt), aber ich hasse Auto fahren. Also, Auto mit-fahren, denn selbst hab ich keinen Führerschein. Und hassen ist auch nicht der richtige Ausdruck. Es ist für mich die Hölle.

Jedes andere Fahrzeug auf den Straßen behalte ich im Auge, jedes Geräusch, ob von innen oder von außen, dringt in meine Ohren, jede Bewegung, die Geschwindigkeit, die mein Mann freundlicherweise an meine Grenze des Ertragbaren anpasst…

Erste Strecke, etwa zwei Stunden. Das geht gerade noch so. Die zweite dauert ca. viereinhalb Stunden, ohne Pause eingerechnet, die wir aber machen müssen, weil wir noch meinen Hund dabei haben, ebenso die dritte und die Strecke nach Hause am Sonntag drauf.

Schon allein die Gedanken daran… Mir ist ganz übel.

Nebenbei bin ich schon gedanklich am Packen, was ich noch waschen muss, um es mitnehmen zu können, und was ich vorbereiten muss, weil wir die drei Kids zu Hause lassen, das erste Mal acht statt vier Tage.

Und wieder ist mir übel.

Wird alles gut gehen?

Wie wird der Verkehr sein?

Kommen die Kinder zurecht? Sie sind ja nun schon 15, 17 und 22, aber es sind Ferien, der Jüngste gerät hin und wieder in Langeweile, die Mittlere tut das, was sie für richtig hält, so ganz nebenbei, der Große ist bis nachmittags nicht da. Sie müssen sich selbst versorgen, was bisher auch immer ganz gut geklappt hat, dennoch kann ich mich von meinem „Kopfkino“ nicht befreien, mach mir immer Sorgen, dass was passieren könnte, wenn sie was kochen z.B.

Und dann wieder die bevorstehenden Autofahrten…

Mir ist übel.

Ja, das erwähnte ich bereits.

Wieso ich das dann überhaupt auf mich nehme?

Nun, ich freu mich auf… Hatte ich auch schon geschrieben.

Und so purzelt alles in meinem Kopf durcheinander – Freude, Planung, Angst… Und ich hasse dieses Gefühlswirrwarr. Ich wäre so gerne mal entspannt.

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Wenn der Tag schon blöd beginnt

 

Eigentlich hätte ich heute Mittag einen Termin mit meiner Tochter.

Die Nacht war dementsprechend schlaflos, noch dazu, weil mein Hund diese Nervosität übernimmt, was sich dann oft darin äußert, dass seine Verdauung verrückt spielt und ich öfter mit ihm raus muss.

Völlig übermüdet wurde ich dann später von meinem Wecker aus dem Schlaf geholt und hatte Herzrasen… Mist! Ich habe vergessen, meinem Jüngsten den Schlüssel mitzugeben. Einen Nachbarn fragen, ob ich ihn dort hinterlegen darf? Aber, jetzt, in der letzten Schulwoche, weiß ich nicht mal genau, wann er heim kommt. Alles ziemlich durcheinander. „Naja, ich überlege mir das noch.“

Dann schaute ich nach der Verbindung der öffentlichen Verkehrsmittel, obwohl ich den Weg und die Anschlussmöglichkeiten mittlerweile gut kenne, aber dennoch… irgendwas drängte mich, trotzdem zu schauen.

Da der nächste Schreck: Wieso leitet der mich plötzlich anders? Hab ich mich vertippt? – Nein. Nochmal alles eingegeben. Wieder das Selbe. Was ist da los? Bis ich die Meldung entdeckte, dass unsere Straßenbahn, die wir üblicherweise zuerst nutzen, um dann in den Bus umzusteigen, nicht fährt. Also, so gar nicht.

In solchen Momenten merke ich, wie Panik in mir aufsteigt, und ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

Schlüssel – Strecke – Uhrzeit – Hund…

Und nun sagt auch mein Körper: „Nee du, lass mal!“ und neben Schwindel und Zittern werde ich zum Dauerbesucher der Keramik. Bravo.

Da gibt es dann für mich nur eins: Anrufen, Termin absagen. Was ich nun auch gemacht habe.

Meiner Tochter ist das ganz recht, sie kann diesen Arzt eh nicht leiden. Werde mich morgen wieder mit unserem Kinderarzt in Verbindung setzen. Für heute bin ich durch.😦

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So langsam komm ich wieder runter

 

Gestern war ich mit meiner Tochter zum vierten und eigentlich letzten Termin in der KJP-Praxis, in der eine aktuelle Anamnese erstellt wurde, u.a. wegen der letzten schweren elf Monate, die meine Tochter in der BvB ertragen musste.

Der Ablauf ist hier oft ähnlich: erster Termin mit einem Arzt, zur Bestandsaufnahme. Zweiter und dritter Termin bei einem Psychologen (ich berichtete hier kurz davon), mit dem meine Tochter wohl trotz meiner Abwesenheit recht gut reden konnte, der gestrige Termin fand wieder beim Arzt statt.

Nun ging es mir ja vor allem auch darum, meine Tochter die letzten zwei Wochen der BvB krank schreiben zu lassen. Sie ist einfach fertig mit der Welt, rutscht wieder in eine Depression, und die BvB ist für sie eh gelaufen, Ziel verfehlt, Ende.

Dem Psychologen konnte ich das alles recht gut vermitteln, er gab mir auch zu verstehen, dass er nur hoffen kann, mit therapeutischer Hilfe (die wir uns suchen müssen), alles so zu stabilisieren, dass meine Tochter im September mit einem BVJ beginnen kann (sie hat enorme Probleme damit, überhaupt noch ein Schulgebäude zu betreten).

Der Arzt aber hat mich gestern beinahe an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht. Er schreibt generell nicht über einen so langen Zeitraum krank (die letzten zwei Wochen hat das unser Kinderarzt übernommen, ohne mit der Wimper zu zucken), und er hält es auch nicht für gut, so lange zu Hause „rum zu sitzen“, denn „erwartungsgemäß wird der Neustart dann im September noch schwieriger“. Außerdem muss diese Zeit genutzt werden, um einen Therapie-Platz zu bekommen, zudem sollen wir über eine unterstützende Medikamentengabe nachdenken.

Meine Tochter antwortete auf seine Fragen meist mit Schulterzucken. Der Arzt allerdings bestand auf Antworten ihrerseits. Er bohrte so lange nach, bis sie wenigstens ein „Mhm“ heraus brachte.

Also nochmal zusammen gefasst: Für diese Woche hat er sie krank geschrieben. Nächsten Montag soll sie wieder hin, dann könne er sie ggf. auch die letzte (!) Woche krank schreiben. Als ob das jetzt so den riesigen Unterschied machen würde. Und mir gegenüber meinte er: „Es sollte ja kein Problem sein, zwei Therapeuten und Institute pro Tag anzurufen, um einen Termin zu bekommen.“

*Ja, klar. Und Mitte September ist meine Tochter im Schnelldurchlauf von ihren Ängsten und Nöten geheilt.* In welcher Traumwelt lebt der eigentlich?

Ach ja: Warum meine Tochter denn keine Praktika selbst machen würde, wenn das mit der BvB-Einrichtung nicht klappt? „Weil sie sich selbst keine suchen durfte!?“ „Aber sie hätte sich ja dennoch darum bemühen können, unabhängig von der BvB!“ „Aber die wenigsten Firmen und Arbeitgeber lassen sich auf private Praktika ein, aus versicherungstechnischen Gründen, und meine Tochter ist laut Vertrag ja noch bis Ende Juli an die BvB-Einrichtung gebunden!?“ Das hat er nicht verstanden, der gute Mann. Dummheit macht mich aggressiv.

Am Ende habe ich nur noch mit „Ja, können wir machen“ reagiert. *Sage ihm, was er hören will – dann bekommen wir hoffentlich das, was wir brauchen.*

Also nächsten Montag wieder da hin.

Und ich überlege mir, was ich mit dem Therapeuten-Gedöns mache. Ich hätte schon zwei Adressen; einmal eine wirklich gute Autismus-Therapeutin, und einmal eine Heilpraktikerin, die die BvB-Einrichtung und meine Tochter sogar bereits kennt. Das Problem ist nur: Wird nicht von der KK übernommen. Aber deshalb x-beliebige Therapeuten durchprobieren? Schon wieder?

Ich dreh‘ am Rad! Ich war gestern so wut-verzweifelt, dass ich fast geheult hätte, mitten im Bus unter all den Leuten, gleichzeitig aber stiegen Aggressionen in mir hoch, die ich in meinem ganzen Leben nur sehr wenige Male so verspürt hatte.

Und dann erinnere ich mich an die Aussage meiner Psychologin, bei der ich die Diagnostik hatte: „Wenn Autisten in einem solch desolaten Zustand zu  mir kommen, schreib ich die erstmal vier Wochen krank. – Geht im Privaten halt leider nicht.“

Warum nur gerät meine Tochter immer wieder an „Fachkräfte“, die mir als Mutter das Gefühl geben, sie wüssten besser Bescheid als ich?

„Erwartungsgemäß.“ – Ich erlaubte mir bei dieser Aussage zu widersprechen: „Aber erfahrungsgemäß ist dem bei meiner Tochter nicht so. Sie liegt nicht nur auf der ‚faulen Haut‘. Sie braucht dringend Erholung für Körper und Seele, dann kommt sie von sich aus wieder und beginnt motiviert von Neuem.“ Als Antwort bekam ich nur ein: „Aha, ok“, zudem einen verachtenden Blick (auffälliger ging es wirklich kaum) und er notierte sich wohl auch alles.

So, nun hab ich mir mal wieder meinen Frust von der Seele geschrieben, passt wieder. Aber wenn man bei solchen und ähnlichen Erlebnissen nicht irgendwann mal durchdreht, frag ich mich, wann dann. Wie lange soll das noch so gehen!?

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Jetzt ist es also „amtlich“

 

Diagnose: Autismus – Ich

 

 

 

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Sich selbst erfahren

 

Ich hatte überlegt, ob ich zu diesen Artikel einen Kommentar schreiben sollte, aber nun habe ich mich doch für einen eigenen Beitrag entschieden. (Danke also für den Impuls dazu!😉 )

In den letzten 17 Jahren, seit meine Tochter auf der Welt ist, hat sich meine Aufgabe des Mutter-Seins ziemlich verändert. Mein erster Sohn, fünf Jahre älter als meine Tochter, war immer sehr leicht zufrieden zu stellen, meckerte nur ein bisschen bei Unzufriedenheit, war sehr genügsam mit Allem und ist auch heute noch ein äußerst ruhiger und höflicher Zeitgenosse, der das Motto von Balu der Bär „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ leibt und lebt. Ich sagte immer: „Ein perfektes *Anfänger-Kind*!“

Da ich selbst zum absoluten Gehorsam erzogen und an die Gesellschaft angepasst wurde, kam mir das im Umgang natürlich sehr gelegen. Das mag jetzt seltsam klingen, aber ich mag keine Auseinandersetzungen, bin ein sehr friedliebender und Harmonie bedürftiger Mensch, dementsprechend entspannt war und ist auch nach wie vor das Verhältnis zu meinem Sohn. Wir verstehen uns blind, sind auf einer Wellenlänge, und können uns immer gut arrangieren.

Meine Tochter machte dem Ganzen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Von Anfang an zeigte sie sehr deutlich, wenn etwas nicht zu ertragen war. Wir haben so ziemlich alles an Overload-Facetten und deren Folgen durch. Näher brauche ich ja an dieser Stelle nicht darauf eingehen…

Seit ich mich mit Autismus beschäftige, habe ich auch viel über mich gelernt. So sind meine Tochter und ich gerade auf einer ähnlichen Entdeckungsreise ins Innere. Meine Tochter, weil sie jetzt in einem Alter ist, in dem es immer wichtiger wird, heraus zu finden wer man ist, und ich, weil ich erfahren darf, dass ich tatsächlich eine andere Wahrnehmung als viele andere Menschen habe, und so nach und nach kann ich das mir ständig an den Kopf geworfene „Stell dich nicht so an“ los lassen.

Die Strategien, wie man aus Overloads raus kommt, dass es nicht völlig eskaliert, sind bei uns schon relativ gut entwickelt. Parallel sind wir aber quasi in einem „Trainig“ zur Prävention, wenn man so will. Wenn wir irgendwo hin müssen, planen wir immer genügend Zeit ein. Am Ziel verharren wir dann erst einmal eine Weile und gehen eine innere Wahrnehmungsliste durch:

Was sehe ich?

Was höre ich?

Wie riecht es hier?

Wie ist das Menschenaufkommen?

Wie sind die örtlichen Gegebenheiten?

Was spüre ich?

Was macht mein Körper?

usw.

Sich von Anfang an bewusst auf diese Dinge zu konzentrieren hilft uns ein bisschen, von Reizüberflutungen nicht ganz so überrascht zu werden, wie ich es oftmals empfinde. Natürlich ist das nicht immer möglich, aber wenn, dann bin ich schon auf gewisse Dinge vorbereitet, und schaffe es dann tatsächlich, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn mir dann ein bereits zuvor bemerkter Reiz zu viel wird, kommt das nicht so hart. Weiß nicht, ob man versteht, was ich meine. In diesem Verlauf oder anschließend kommen natürlich Vorkehrungen wie Pause, Rückzug, Abbruch, oder aber man kann die Reize abmildern oder entfernen. Das heißt auch nicht, dass ich danach weniger erschöpft bin. Erholung brauche ich dennoch reichlich, um mich in den Folgetagen auf meine Pflichten einlassen zu können. Aber ich merke, es macht die Situation selbst etwas erträglicher.

Meine Tochter hat es ausprobiert, als sie sich mit Freunden das erste Mal in einem Jugendclub getroffen hat. Nach dem Reinkommen erstmal orientiert, Checkliste durchgegangen, und sich Stück für Stück an die Gegebenheiten heran getastet. Zweieinhalb Stunden ging das sehr gut, dann wurde ihr die Lautstärke, die sie gleich zu Beginn sehr intensiv wahr genommen hat, zu viel und fuhr nach Hause. Fürs erste Mal also gut gelaufen. Und was noch positiv war: Sie hat es nicht wie früher als Versagen empfunden, sondern als gegebene Tatsache, dass es nun mal so ist, und hat auf sich geachtet. Im Freizeitbereich hat man so die Möglichkeit, seine Löffel gezielt einzuteilen.

Das hatte ich ab diesem Alter immer wieder übersehen, weil ich genau so dabei sein wollte und ich mich ja „nicht so anstellen“ sollte. Umso schwieriger wurde es Jahr um Jahr, das zu schaffen, was unumgänglich war, der ganz normale Alltag wurde beinahe zur unüberwindbaren Herausforderung. Wenn ich meinen Mann nicht hätte, ich weiß nicht, wo ich inzwischen wäre. Die Zeiten waren nicht immer leicht, und ich war nicht nur ein Mal kurz davor, meine Ehe hin zu schmeißen, weil es für den Lebenspartner natürlich auch extrem frustrierend ist, kaum mehr etwas zurück zu bekommen, da mir schon allein seine Anwesenheit oft zu viel war. Wie erkläre ich als erwachsene Frau, dass ich einen Horror vorm Einkaufen habe? Dass ich meine Zeiten der Ruhe oder die Beschäftigung mit meinen Interessen sehr intensiv brauche? Dass es Dinge gibt, die mich auf die Palme bringen, wenn sie nicht so sind, wie ich das gerne hätte? Dass mir oberflächliches BlaBla in irgendwelchen Gesellschaften zuwider ist und ich mich lieber tiefsinnigen Gesprächen hingebe? Dass man mir direkt sagen soll, wenn was wichtig ist, anstatt lange drum herum zu reden und erwartet, dass ich darauf reagiere? Ich habe ja immer alles ertragen und erduldet, aber dafür ist meine Kraft nun endgültig am Ende. Ich habe das Gefühl, mein ganzes Leben war ein einziger Overload, voller ständiger Erwartungen. Von außen, aber natürlich auch von mir selbst. Ein permanentes ZuViel. Wie viele Warnsignale meines Körpers habe ich missachtet!? Und man wird ja immer Reiz sensibler. Von außen ebenso wie von innen. Lautstärke – unterschwellige Übelkeit – grelles Licht – Herzrasen – Schwindel – Termine – usw. Ok, dass die Symptome nicht (nur) vom Stress kamen, sondern von einer Autoimmunerkrankung war dann schon ein Schlag. Aber so ist das eben.

In meinem Alter auf eine solche Entdeckungsreise zu gehen ist schon gewagt, weil viel Zeit vergangen ist, die auch Einiges aufwühlen kann. Aber gleichermaßen ist es auch spannend, sich selbst nochmal neu kennen zu lernen. Ich hoffe, ich kann dadurch auch meine Tochter so gut es geht begleiten.

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Mittel, Schwer, Leicht – was Autismus nicht ist

innerwelt

Diese Diskussion kommt immer wieder auf. Ich habe sie wirklich schon oft geführt. Leider reicht ad hoc die Zeit und der Platz nicht aus, um richtig zu erklären, warum ich den Ausdruck „leichten“ Autismus für falsch empfinde und warum ich sage „Autismus ist einfach nicht leicht oder mild, nicht schwer oder „Kanner“ und Asperger sind nicht perse die leichteren Autisten, insofern man den Ausdruck jetzt nicht wörtlich nimmt, sondern als Synonym für „nicht so ausgeprägt“.
Dieser Text soll für jene sein, die mich schon so oft falsch verstanden haben. Dann gibt es zwar noch die, die mich partout falsch verstehen wollen, aber denen kann ich es an der Stelle sowieso nicht recht machen. Sei es drum.

In erster Linie sind wir alle Autisten

Wir hätten die Diagnose nicht erhalten, wenn es nicht so wäre. Entgegen der weitläufigen Meinung, bekommt man die Diagnose nicht nur dann, wenn man besonders leidend ist…

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Es gibt noch Menschen auf dieser Welt

 

Am Freitag war meine Tochter wieder bei ihrem Psychologen. Zuvor konnte ich kurz mit ihm sprechen, um nochmal alles in Kurzform zu erläutern, was die letzten Monate los war und wie es meiner Tochter jetzt geht, auch bezogen auf „Wie soll es ab September denn nun weiter gehen?“

Der Psychologe hatte schon beim letzten Termin ein sehr gutes Gespräch mit meiner Tochter, aber man merkt deutlich, dass sie wieder in einer Depression sitzt. Wir müssen nun schauen, wie wir ihre Abwärtsspirale wieder zu einer Aufwärtsspirale machen können. Das mit der BvB ist einfach Mist, hat uns wieder um Einiges zurück geworfen.

Sollte gar  nichts gehen, dann wird er einen Bericht verfassen, damit wir die Berufsschulpflicht nochmal aussetzen können, meine Tochter dann soweit stabil bekommen, dass sie vielleicht selbst wieder aktiv und motiviert wird.

Dann telefonierte ich gerade mit dem Schulsozialarbeiter der Berufsschule, in der meine Tochter morgen einen Probetag hätte machen können. Nachdem ich ihm alles mitteilte, wie es nun aussieht mit meiner armem Maus, berichtete er mir, dass die Lehrerin, die wir kennengelernt hatten, es auf jeden Fall gerne versuchen würde, sie habe das auch mit ihren Kolleginnen besprochen. Nun werden in dem Bereich, für den sich meine Tochter interessiert, nicht so viele Anmeldungen eingehen, so dass bestimmt ab September noch ein Platz frei wäre, und wir uns kurzfristig melden könnten. Aber er bespricht das noch mit der Schulleiterin, vielleicht könnten wir uns auch jetzt anmelden und ggf. zurück treten, sollte es wirklich nicht gehen.

Mit diesem Angebot hätte ich nicht gerechnet. Ich war sprachlos, bedankte mich auch den Tränen nahe, wiederholte total verwirrt „wie toll das wäre“… (Ich hasse das, wenn ich beim Telefonieren keine Worte finde!)

Jetzt schauen wir weiter, wie wir die letzten Wochen der BvB rum kriegen.

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Wo sind sie denn hin?

 

Meine Gefühle und Emotionen?

Ich robotere so vor mich hin.

Nichts bewegt oder trifft mich in irgendeiner Form.

Absolute Funkstille zwischen meinem Körper und meiner Seele.

Was sich sonst meist zu viel anfühlte, weil ich eigentlich äußerst intensiv spüre, was um mich herum und in mir drin vorgeht, wie Bilder, die Stimmungen und Auren entstehen lassen, ist jetzt komplett verschwunden.

Gleichzeitig geht mir mein kommender Termin bei meiner Psychologin durch den Kopf… Ach ja, da war ja was… „Wie war denn dein erster Diagnostik-Termin?“ wurde ich schon gefragt… Aber ich finde keine Worte mehr, kann mich nur noch erinnern, dass ich wohl sehr beeindruckt von der Psychologin war, die ihren Ruf mehr als verdient hat. Ganz vernebelt sitzt das Gespräch mit ihr irgendwo in meinem Kopf – ich wollte es aufbewahren, um dann nach meinem nächsten Termin von allem zu berichten.

Doch jetzt steh ich da, mitten im Fluss, auf dem letzten sicheren Stein, der immer glitschiger wird, und ich drohe abzurutschen. Aber ich verspüre keine Angst. Steh nur da, halte mich auf den Beinen, und warte, was passieren wird.

Ob ein rettendes Schwimm-Gefährt vorbei kommen wird?

 

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Vollkommene Leere

 

Leere in mir.

Nichts ist mehr da.

Stille.

Kein Fünkchen Gefühl.

*Der Badewannenstöpsel wurde raus gezogen und das ganze Wasser ist davon geflossen.*

Der gestrige Termin in der Förder-Berufsschule war anstrengend für mich, aber meiner Tochter verlangte er alles ab. Bereits nach zwei Minuten, in denen wir warten mussten, bis wir vom dortigen Schulsozialarbeiter ins Zimmer gebeten wurden, fing meine Tochter an zu beben, wollte raus, wieder nach Hause. Ich bat sie, dem Ganzen eine Chance zu geben, ihr wird nichts passieren, und es wird hier und heute auch nichts entschieden, schon gar  nicht gegen ihren Willen. Ich bin da, ich passe auf sie auf.

Das Gespräch verlief an sich auch gut, es kam noch die Schulleiterin dazu, und später durften wir sogar eine der zuständigen Lehrerinnen kennen lernen, die Räume ansehen.

Auch wollten sie nichts falsch machen, ob wir denn einverstanden wären, einen Schulbegleiter zu beantragen, denn damit haben sie gute Erfahrungen gemacht…

Am Ende boten sie meiner Tochter einen Schnuppertag an, an dem sie ein paar Stunden kommen und sich alles ansehen könne.

Also alles in allem sehr vernünftig.

Aber meine Tochter sprach kaum ein Wort. Ich merkte, wie es ihr immer schlechter ging, auch die Leute dort beobachteten das, nahmen Abstand und waren sehr rücksichtsvoll.

Nach einer guten Stunde fuhren wir wieder nach Hause, waren erschöpft, meine Tochter legte sich schlafen. Ich weiß, dass ich eine Zeit lang warten muss, bis ich sie fragen kann, was sie von all dem hält. Wir sprachen gestern gar nicht mehr darüber.

Heute Morgen, auf dem Weg in ihre BvB-Einrichtung, sagte sie, sie geht da nicht hin. Sie wird dieses Gebäude nicht wieder betreten. Und wie oft sie noch sagen soll, dass sie von all dem Sch*** nichts mehr hören will.

(Es ist ein riesiges Schulgebäude, sehr hell, weitläufig… aber eben ein Schul-Gebäude. Erinnerungen wurden geweckt und legten die Wunden offen. Nennt man das posttraumatische Belastungsstörung?)

Ich brach innerlich genau in diesem Moment auseinander. Wie ein Fass, dessen Ringe außenrum entfernt wurden.

Auf meinem Heimweg heute beobachtete ich eine Mutter, die ihr Baby trug, ich wünschte ihr in Gedanken ein schönes Leben mit diesem kostbaren Wesen… Trauer keimte in mir auf, um sofort in der Unendlichkeit zu verschwinden.

Leere.

Leere in mir.

Nichts ist mehr da.

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Endlich Ruhe?

 

In der BvB-Einrichtung meiner Tochter gab es letzte Woche ein Gespräch zwischen den Mitarbeitern und deren Beraterin von der Agentur für Arbeit. Es müssen ja nun Abschlussberichte geschrieben werden, und bezüglich meiner Tochter sollte ich an diesem Termin teilnehmen. Allerdings war mir dies nicht möglich, am Wochenende zuvor bin ich komplett zusammen geklappt. Nichts ging mehr. Natürlich bedauerte man sehr, dass ich an dem doch so „richtungsweisenden“ Gespräch nicht teilnehmen würde…

„Richtungsweisend“? Aaaalles klar.

Da auch meine Tochter nicht mehr in solche Gespräche geht, und ich es untersagt habe, sie allein vor die ganze Meute Mitarbeiter zu zerren, blieb es „ergebnisoffen“. So wurde mir dies kurz und knapp per E-Mail mitgeteilt.

Was genau da besprochen wurde, weiß ich nicht. Die Dame von der AA wurde ja von unserer Berufsberaterin über die Missstände aufgeklärt. Was dies für Folgen hatte oder haben wird, weiß ich natürlich auch nicht, aber ist mir auch egal.

Jedenfalls war meine Tochter diesen Montag zu Hause (sie hat einen sehr unbequemen Tick ihren Nacken betreffend und ist wegen ihres Kiefers schon länger in Behandlung), ein Termin beim Facharzt ist natürlich nicht sooo schnell zu haben, aber er steht.

Nun hat sich bisher nicht ein Mensch gemeldet, weil doch meine Tochter eine AU-Pflicht ab dem ersten Fehltag hat, es wurde überhaupt nicht auf meine Krankmeldung per Mail reagiert.

Ist denen jetzt alles egal? Ist meine Tochter endgültig abgeschrieben?

An sich soll’s mir ja recht sein, wenn sie nun auch noch ihre Sticheleien lassen würden! *grummel*

Drückt mir ganz fest die Daumen, bitte! In den nächsten Tagen könnte sich entscheiden, ob meine Tochter einen Platz in einer Berufsschule bekommt, in der sie ein spezielles BVJ machen könnte. Das wäre fast ein Sechser im Lotto. Und sobald ich das OK habe, ist meine Tochter aus der jetzigen Maßnahme raus! Nicht einen Tag länger lass ich sie da hin gehen, zumal ihre Freundin ab Anfang Juli auch weg ist.

 

Nachtrag: Heute Nachmittag bekam ich einen Anruf von besagter Berufsschule:

In dem Bereich, in den meine Tochter möchte, sind noch Plätze frei (die Anmeldefrist ist schon abgelaufen gewesen) – am Montag haben wir dort einen Termin zum Vorstellen.

Ich hätte heulen können! (Naja, ich hab mir tatsächlich ein Tränchen weggewischt.)

Jetzt muss nur noch meine Tochter ein gutes Gefühl haben, sowohl das Haus als auch die Leute dort betreffend. Oh wie toll das wäre!!

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