„Hilfreiche“ Umfrage?

Schockierend! Danke für die Infos!

butterblumenland

Ich scrollte heute Vormittag im Büro mal kurz durch meine Timeline bei Facebook. Auf Autismusseiten und in Gruppen wurde fast zeitgleich eine Umfrage geteilt. Der Titel und der Vorschaubeitrag klingen interessant

„Freizeitverhalten Autismus“

und

„um Familien mit autistischen Kindern in Zukunft besser und gezielter unterstützen zu können, ist es notwendig mehr Informationen über das Leben und den Alltag von Kindernund Jugendlichen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zu sammeln.“

Außerdem prangt in der Vorschau groß der Bundesadler und in Fettschrift „Bundesministerium für Bildung und Forschung“. Sieht also absolut seriös aus.  Mein erster Gedanke war dann auch positiv. „Wow, endlich merkt mal eine Regierungsbehörde, dass es viel zu wenig Unterstützung für Autisten und die Familien autistischer Kinder gibt und will etwas dagegen unternehmen.“ Ich speicherte mir den Link ab. Nach Feierabend zu Hause klickte ich darauf und war ziemlich schnell ziemlich ernüchtert. Die ersten Fragen drehten sich um meine persönliche Daten. Geschlecht und…

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Seltsame Zeiten brechen an

 

Der Lauf der Dinge macht sich gerade bemerkbar. Mein ältester Sohn zieht zum Monatswechsel aus. Mein erstes Kind tritt den letzten Schritt in die Eigenständigkeit an.

Stolz begleitet mich. Zu sehen, wie weit er gekommen ist, was für ein Mensch aus ihm geworden ist… Ja, so kann man ihn in die Welt da draußen entlassen.

Komisch wird es sein. Er, der mir so nahe steht, der mit mir innigste und vertrauteste Gespräche führen kann, der versteht, der nicht verurteilt, der mich schon mehr als die Hälfte meines Lebens begleitet und es mit sich selbst bereichert. Zwar ist er so unauffällig, dass man ihn in unserer Familien-WG kaum zu sehen bekommt, aber ich fühle seine Anwesenheit, selbst hinter verschlossenen Türen. Sein verschlafenes Gesicht nach dem Aufwachen, unsere wortlose Kommunikation, unser „einer sagt genau das in dem Moment, als es der andere gerade sagen wollte“… Das wird mir fehlen.

Dennoch überwiegt die Freude. Und das nicht nur für ihn, sondern auch für mich.

Wir werden einen Raum mehr haben. Zu fünft in einer Vier-Zimmer-Wohnung lebt man schon sehr eingeschränkt, ich habe für meine Kinder immer gerne zurückgesteckt, damit sie sich frei entfalten können, aber ich freue mich, dass sich das nun entspannen wird.

Wir werden Zimmer tauschen; der Jüngste bekommt das von seinem Bruder, und mein Mann und ich richten uns ein Schlafzimmer ein. Ein eigenes Zimmer! So richtig mit Tür dran zum Zumachen, wenn ich mich tagsüber zurückziehen möchte (oder muss)! Ich kann es noch gar nicht fassen! Und ein Bett mit zwei neuen Matratzen! Mein Rücken wird sich bedanken. Auch wird das Wohnzimmer dann wieder offener, weil der bisherige Schlafbereich meines Mannes weg fällt. Allerdings bin ich gespannt, ob ich dann, wenn wir wieder ein großes Bett haben, dort auch nachts schlafen kann. Ich tu‘ mir nun mal schwer, so nah an einem anderen Menschen zu entspannen. Und oftmals reichen nicht mal viele Meter Abstand. Aber ich lass mich von meinem Empfinden leiten, vielleicht überrascht es mich ja.

Ich freue mich jedenfalls auf diese Veränderung. Schon jetzt beginne ich mit Hin- und Herräumen, aussortieren, weg werfen, mein Kopf beinhaltet schon, wie es fertig aussehen wird. Im August geht es dann rund hier in der Bude. Auch das mache ich total gerne!

Getrübt wird das Ganze von einer Neuerung, mit der ich mich gar nicht anfreunden kann: Heute bekommen wir Feuermelder installiert. Seit dem ich das weiß, schlafe ich schlecht. Meiner Tochter gruselt es genauso davor, sie hat das vor einem guten Jahr bei ihrer Freundin mitbekommen. Nicht dieses kleine Ding an sich, Feuermelder sind halt jetzt Pflicht, so what! Aber… *heul* da kommt was an die Decke, was vorher nicht da war! Nebenbei erinnere ich mich an Horrorgeschichten über „Fehlalarme“ und „Blinken“. Ich sehe mich schon des Nächtens nach einem Besenstiel tasten und durch die Wohnung irren um heraus zu bekommen, welches Piepen abgestellt werden muss, oder meine tobende Tochter beruhigen, weil das Ding in ihrem Zimmer losgegangen ist. Ich werde beim Fernsehen mehr an die Decke glotzen als in den Bildschirm. Ich werde instinktiv den Kopf einziehen, wenn ich durch den langen Flur gehe. Weil eben… Da hängt was…

Das mag jetzt für Viele total überzogen und lächerlich klingen. Aber doch, ich habe Angst. Ich bin ein visueller Mensch, und mir fallen optische Veränderungen in meinem Umfeld sofort auf. Es lenkt mich ab und beschäftigt mich so sehr, dass ich teilweise handlungsunfähig werde. Schon jetzt wandere ich ständig durch die Wohnung.

Das prallt dann auch noch damit zusammen, als dass es hier aussieht wie Sau, weil ich doch schon am Räumen bin. Und da dann Handwerker rein lassen, die sich hier durchwurschteln müssen… *nochmal heul*

Aber da muss ich wohl oder übel durch. Vielleicht kommt dann der Aus-Umzug gerade recht. Wir werden sehen.

 

Nachtrag: Fertig. Ruck zuck, dran damit! Nach flottem Bohren und Anbringen ist alles erledigt.

Ich habe so was von Glück! Ins Wohnzimmer kam kein Feuermelder an die Decke. Die kommen in Schlafräume und Fluchtwege. Und weil in drei Wochen keiner mehr im Wohnzimmer schläft, meinte der Typ „Dann nicht.“ *jubel*

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Zu Volljährig für Merkzeichen im SBA

 

Ich bin so wütend! Vor einigen Tagen kam der Bescheid vom Versorgungsamt – meine Tochter wurde wegen Volljährigkeit neu überprüft.

Schon beim Erstantrag bekam sie nicht die nötigen Merkzeichen G und B, aber das H. Trotz Widerspruch und Klage wurde lediglich der GdB auf 80% erhöht… Naja, hab ich irgendwo schon erzählt.

Nun ist es so, dass meine Tochter nach wie vor Probleme mit der Orientierung hat, und „Wegstrecken im Ortsverkehr nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten zurückzulegen vermag“. Auch steht im Bescheid, dass „die Zuerkennung des Merkzeichens G bei seelischen Störungen voraussetzt, dass der behinderte Mensch sich im Straßenverkehr auf Wegen, die er nicht täglich benutzt, nur schwer zurechtfinden kann.“

Hallooo? Meine Tochter verlässt genau aus diesem Grund das Haus nicht, wenn sie niemanden hat, der sie begleitet. Es gibt drei Ziele, zu denen sie es mittlerweile alleine schafft. Drei! Mit 18!

Erläuterungen unsererseits, die derartige Situationen beschreiben, wurden völlig ignoriert. „Diese Voraussetzungen sind hier nicht nachgewiesen.“

Auch das Merkzeichen B, für Begleitung in Öffentlichen Verkehrsmitteln, wurde abgelehnt. Die Begründung hierfür finde ich eine Frechheit! „Nach den vorliegenden Unterlagen ist davon auszugehen, dass Sie ohne fremde Hilfe in einen Bus oder in einen Zug einsteigen, sich dort während der Fahrt nötigenfalls festhalten und anschließend selbständig wieder aussteigen können.“

Nein! Kann sie nicht! 1. Fragt sie immer noch nach der richtigen Haltestelle, weil sie sich nicht merken kann, in welcher Richtung ihr Ziel liegt, 2. braucht sie auch die Ansage, welche Linie sie nehmen muss, und sie fragt keine anderen Passanten, 3. hält sie sich, wenn das Verkehrsmittel zu voll ist, ggf. eben nicht fest, um Körperkontakt zu vermeiden, oft stell ich sie in eine Ecke, in der ich sie von anderen Leuten abschirmen kann, 4. muss sie darauf hingewiesen werden, wann sie aussteigen muss.

Ist das keine fremde Hilfe?

Das Merkzeichen H wird bei Volljährigkeit sowieso kategorisch aberkannt. Falls jemand von Euch bei Euren Kindern einen Knopf gefunden hat, auf den man nur drücken muss, damit sie schlagartig selbständig werden, sagt mir bitte Bescheid, wo ihr diesen Schalter gefunden habt!

Dazu wird u.a. argumentiert, meine Tochter habe ja einen Hauptschulabschluss geschafft und verschiedene Praktika absolviert.

Schließt Hilflosigkeit also Bildung aus? Was hat das miteinander zu tun? Sie wissen ja noch nicht einmal, unter welchen Umständen meine Tochter dies geleistet hat.

Wie machen das körperlich Behinderte, die eine Assistenz brauchen für Ernährung, An- und Auskleiden, Körperpflege, usw.? Es gibt immer wieder Berichte, dass diese Menschen studiert oder einen anerkannten Beruf haben. Bekommen die dann auch kein Merkzeichen H, weil sie nicht hilflos genug sind?

Nein, ich muss meine Tochter nicht anziehen, waschen oder füttern. Aber ich muss an sie hinreden, dass sie sich regelmäßig umzieht, muss ihr sagen, wie das Wetter ist und welche Kleidung sie dementsprechend tragen kann (sie würde sonst im Sommer mit dickem Pulli rumlaufen, was sie auch schon getan hat), ich muss sie regelmäßig ans Essen erinnern und dazu auffordern, ich muss immer wieder sagen, dass es wieder Zeit zum Duschen ist. Sie braucht mich, wenn sie innerhalb der eigenen vier Wände etwas erledigen möchte (weil sie sich einfach nicht merkt, welches Putzmittel für was geeignet ist, in welchen Wäschekorb jetzt noch gleich Handtücher kommen, welchen Topf sie für Nudeln nehmen kann, usw.). Also auch die ständige Bereitschaft zur Hilfe muss gewährleistet sein. Und wenn’s übers Handy ist, weil ich grad nicht da bin.

Nicht hilflos genug? Nach den „Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“ anscheinend nicht.

Na gut. Oder nicht gut.

Allerdings hat das Versorgungsamt einen Fehler gemacht (meine Psychiaterin hat mich darauf hingewiesen): Sie haben sich nicht an sie, die aktuell behandelnde Ärztin gewandt, wozu sie aber verpflichtet sind. Das heißt, das Versorgungsamt hat nach Aktenlage entschieden, mit Befunden von 2016 und älter, in denen es aber um die Depression und das SVV ging, also nichts darüber aussagt, wie der Alltag aussieht.

Das allein reicht für einen Widerspruch, und ich werde das so nicht stehen lassen. Nur allein mit einem GdB ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht gewährleistet. Meine Tochter benötigt den Nachteilsausgleich, schon allein, weil sie auch nicht immer nur von Mama und Papa begleitet werden will. Logisch.

Ich versteh’s nicht. Und ich lass das auch nicht einfach auf sich beruhen. Vor lauter Ärger hab ich einen Termin beim Anwalt gemacht, der sich auf Behinderten- und Sozialrecht spezialisiert hat. Dieser Termin ist morgen. Ich war schon einmal bei dem Herren, ich bin gespannt, was der sagt. Ist ja eigentlich so gar nicht meins, aber wenn’s um meine Kinder geht, werde ich zum Tier. Drückt mir bitte die Daumen, dass ich für meine Tochter was erreichen kann.

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Selbstverletzendes Verhalten – die Gründe nicht ersichtlich

Meine Tochter erzählte mir vorgestern so beiläufig, dass sie sich vor knapp zwei Wochen wieder geritzt hat. Unterarm und Oberschenkel.

Jetzt war es so lange nicht mehr vorgekommen, und derzeit ist sie ja durchgehend zu Hause, sie konnte sich richtig gut erholen. Sie hat sich wirklich gut stabilisiert, geht wieder mehr unter Leute, traut sich wieder mehr zu, hat enorme Fortschritte im Selbstwertgefühl gemacht.

Ich erschrak schon etwas, denn ich hatte in der momentanen Verfassung meiner Tochter nicht damit gerechnet. Also fragte ich sie, ob sie das mit dem BVJ, welches sie ab September nochmal versuchen möchte, so beunruhigt. Oder was ihr sonst durch den Kopf geht. Aber sie weiß es selbst nicht. Nö, eigentlich sei ja gar nix. Und mehr will sie dann auch nicht darüber reden, bittet mich, sie damit in Ruhe zu lassen. Selbstverständlich.

Ich verstehe es nicht. Ich selbst hatte nie das Bedürfnis, mich auf diese Art selbst zu verletzen. Bei mir waren es die anfangs bewusst gesteuerten Essstörungen, die sich dann verselbstständigt hatten. Auch blöde, aber war halt damals so. Aber ich wusste auch immer, warum ich das tat. Ich hatte meine Gründe und rechtfertigte vor mir selbst mein Verhalten.

Ich weiß nicht, wie ich das einschätzen soll. Ob sie doch so an den Zukunftsgedanken zu knabbern hat, und es ist ihr gar nicht richtig bewusst?

Aufgeregt hatte ich mich über ihr SVV nie. Ich war einfach nur immer da, als sie deshalb doch mal zu einem Psychologen wollte, brachte ich sie hin, das war’s dann aber auch. Sie schneidet sich auch, Gott sei Dank, nicht sehr tief. Bei zwei drei Schnitten denke ich mir, die hätten ärztlich versorgt werden sollen, aber ok.

Viele fragen mich entsetzt, wie ich dabei so ruhig bleiben kann. Naja, was soll ich sagen? 1.) was nützt es, zu toben, zu schimpfen, auszuflippen oder sonst was? Das macht doch die Sache nicht besser. 2.) wie es in mir dabei aussieht, merkt keiner. Ich muss in diesen Momenten stark für meine Tochter sein. Es kam auch nicht oft vor, dass ich die Schnitte unmittelbar nach Entstehung zu sehen bekam, weil das Versorgen der Wunden zu ihrem Ablauf gehört. Sie sagt, sie fühle sich dabei in einem Trance ähnlichen Zustand, bekäme es gar nicht richtig mit. Nur zwei Mal stand sie heulend mitten im Wohnzimmer und rief mich, mit einer Stimme, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde, während ihr das Blut am Arm herunter lief.

Natürlich mache ich mir Gedanken, wie ich ihr helfen kann. Sie findet es selbst auch völlig bescheuert, regt sich auch danach darüber auf, weil es juckt und die Kleidung darüber unangenehm ist, wenn es heilt, aber ganz lassen kann sie es anscheinend doch nicht.

Und ich verstehe es immer noch nicht, wieso jetzt. Oder sie will sich damit nicht wirklich auseinander setzen, wie sie sich wirklich fühlt, was ihr wirklich durch den Kopf geht, was sie wirklich belastet.

Ich muss ihr da wohl vertrauen. Ich bin ja schon stolz auf sie, dass sie damit überhaupt zu mir kam, als das akut war. Ich kann ihr auch nur Hilfe anbieten, annehmen muss sie es selbst. Das Einzige, was ich ihr eindringlich klar gemacht habe, ist, dass ich sie bei wirklicher Gefahr nicht mehr fragen werde, sondern handeln muss. Aber so weit kam es noch nie. Sie hat auch wortlos genickt.

Mir gehen die Ideen aus. Skills helfen nicht in letzter Instanz. Ich werde wohl wieder abwarten und beobachten, und eben darauf vertrauen, dass sie mich weiterhin mit einbezieht.

Vielleicht hat einer von Euch noch Ideen, die uns noch nicht kamen?

 

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Ich und die Romantik

-Stimmt, heut ist ja Hochzeitstag

16 Jahre befinde ich mich mit meinem Mann nun im Bund der Ehe.
Seit 20 Jahren gehen wir durch Dick und Dünn.
Zugegeben, oftmals war ich drauf und dran, meine Sachen zu packen und das Weite zu suchen. Es gibt Tage, da nimmt er mir die Luft zum Atmen, allein durch seine Anwesenheit.
Dabei geht es nicht mal primär um seine Unzulänglichkeiten, die er, wie jeder andere Mensch auch, vorweisen kann, sondern um Situationen, in denen wir einfach nicht kompatibel sind in Verbindung mit meinen Schwierigkeiten im Alltag.

Manchmal bin ich so durch, dass ich lieber allein wäre.
Blöd nur, dass der Kerl, der die Miete zahlt, hier auch noch seinen festen Wohnsitz hat.
Er gehört auch nicht zu den wenigstens angehaucht sensiblen Männern, die aufmerksam auch Kleinigkeiten bemerken. Klar, Mann halt. Wobei er schon eine Extra-Marke ist.

Das macht sich im Alltag schon bemerkbar. Er holt sich was zu trinken und denkt nicht im Traum daran, mich zu fragen, ob ich auch etwas möchte.
Er weiß mittlerweile, dass mich so lapidare Angelegenheiten wie „Wäsche auf dem Badezimmerboden, leere Bierflasche im Regal, unaufgeräumte Kochzutaten, usw.“ völlig aus der Fassung bringen. Ok, er geht arbeiten, ich bin zu Hause. Ich sehe es durchaus als meinen Job an, hier für Ordnung zu sorgen. Aber fünf Leuten hinterher zu räumen (ich selbst habe den Ordnungssinn noch nicht zum Bleiben überreden können) finde ich unfair und bremst mich unheimlich aus, weil es mich Nerven und Kraft kostet, was mir dann an anderer Stelle fehlt.

Wieso aber kann ich aus vollstem Herzen dennoch sagen:
DAS ist MEIN Mann?
Er vervollständigt mich.
Er lässt mir trotz meinen Macken mein Leben.
Er trägt meine Unzulänglichkeiten mit.
Wenn es wirklich brennt, sieht er es doch und gibt mir das Gefühl, an meiner Seite zu stehen, auch wenn die Welt untergeht.
Er weiß, er braucht mir nicht mit Blumen kommen, die mein überempfindliches Riechorgan belästigen, während sie den unvermeidbaren Tod sterben.
Pralinen – ok, nehm ich. Aber mehr freut mich unterm Jahr, wenn er mir was mitbringt, was ich gerne mag.
Meine Spinnereien nimmt er inzwischen größtenteils mit Humor, so dass wir auch gemeinsam darüber lachen können.
Und er stellt an mich keine Erwartungen, die ich eh nicht erfüllen kann. Oft tut mir das sehr leid, ich wäre gerne „besser“ für ihn.
Ich tu‘ mir schwer damit, mit einem anderen Menschen in einem Bett zu schlafen, oder abends zusammen gekuschelt auf der Couch zu liegen. Auch das tut mir leid. Ich weiß, es fehlt ihm, aber er beschwert sich nicht.
Ich genieße diese Lockerheit, die er auszustrahlen im Stande ist.
Ich halte mich an seiner inneren Ruhe fest, wenn mir meine ausgegangen ist.

Und zum Hochzeitstag?
Er hat Karten für Stomp besorgt, die ich so sehr liebe. Entdeckt, und an mich gedacht.
Mir kommen die Tränen. Ich bin gerührt.
Mein Mann!
Ich liebe Dich!

 

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Wenn Kinder dem System ausgeliefert sind…

Danke für den Beitrag!

Auch wir haben es erlebt, und ich bekomme von so vielen Eltern ein ähnliches Leid geklagt. Die „Empfehlung“ – man sollte es eher Erpressung nennen – die Kinder in Kliniken zu geben, wird immer häufiger ausgesprochen, und das erschreckt mich zu tiefst.
Schulen, die sich auf besondere Herangehensweisen und Umgangsformen spezialisiert haben, verweigern den so wichtigen Austausch mit den Eltern und blocken Nachteilsausgleiche ab, isolieren die Kinder mitsamt Schulbegleiter in extra Räumen und rufen nach Medikamenten, als ob diese das Allheilmittel wären.
Und selbst bei Kindergartenkindern bemüht man sich nicht mehr um den Leitsatz „ambulant geht vor stationär“, was bei den Diagnostiken schon los geht.

Ich finde es immer erschreckender, wie auch mit den völlig verzweifelten Eltern auf der Suche nach Hilfe umgegangen wird, und ich frage mich, was wir tun können, um diese Zustände zu verbessern.
Mir geht das alles sehr nah! 😦

Autismus - Keep calm and carry on

Wenn ein Kind „aus der Spur ist“ dann darf man anscheinend, vor allem wenn man im klinischen oder therapeutischen Setting bzw. in der Jugendhilfe arbeitet, mehr als man mit gesundem Menschenverstand jemals verantworten kann.

Und das vollkommen unabhängig von Autismus. Wie man bei der TAZ nachlesen kann, gibt es da Bestrebungen, bei denen mir übel wird. Und nicht nur mir.

Die Klinikerfahrung unseres Ältesten und auch die teilstationäre Maßnahme haben uns schon vor Jahren gezeigt, wie einfach es sich PEDs (pflegerisch erzieherischer Dienst) und Bezugsbetreuer zum Teil machen.

Sehr oft hat sich bei mir der Eindruck ergeben, dass es vielen im System arbeitenden Menschen nur darum geht, wie es für sie einfacher ist. Wie das Kind / der Jugendliche für sie händelbar wird.

Ich weiß noch sehr genau, wie erschrocken und paralysiert unser Sohn uns davon erzählte, dass an seinem ersten Abend in der Klinik ein sechsjähriger…

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Offener Brief an Herrn Hüppe CDU/CSU

innerwelt

Sehr geehrter Herr Hüppe,

auf Facebook hatte ich die Diskussion über das „Fachgespräch der AG Gesundheit der CDU/CSU Bundestagsfraktion zum Thema *Autismusversorgung stärken*“ mitbekommen.
Dort hatten sie dazu aufgerufen, Ihnen Alternativen zur ABA/AVT Therapie zuzusenden.

Zunächst begrüße ich die Möglichkeit, diesbezüglich schriftlich mit Ihnen in Kontakt treten zu können, da mir als Autistin direkte Kommunikation schwer fällt. Die schriftliche Kommunikation wird daher von vielen AutistInnen bevorzugt und da liegt nachweislich eine unsere Stärken. Nur wenige können, mit gewissen Einschränkungen, mehr leisten. Soweit ich weiß, hatte ein Mitstreiter von mir auch seine Gesprächsbereitschaft signalisiert, wurde aber wieder ausgeladen. Schade, denn er hätte sehr viel zu diesem Thema aussagen können.

Bevor ich jedoch Ihrer Bitte nachkomme, möchte ich Ihnen kurz erklären, warum die Gemüter mancher AutistInnen speziell zu diesem Thema so hochkochen.
Das ist notwendig, damit Sie auch alles weitere verstehen können.

Auch ich kenne das Programm das speziell Autismus…

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Wunschdenken: Erdlöcher und Blitzeinschlag zum Mitnehmen

Ich bin ja wirklich ein äußerst friedliebender Mensch. Wirklich! Ich wünsche selten jemandem was Schlechtes, selbst wenn ich denjenigen nicht mag, der ist mir im besten Fall einfach egal. Wenn ich mich richtig ärgere, dann kommt schon mal ein dahin gedachter Spruch, ganz harmlos. Ehrlich! Und ich hab dann auch sofort ein schlechtes Gewissen und entschuldige mich im Geiste für diese Gedanken. Aber gestern…

Aber halt! Von Anfang an:

Ich war am Abend mal wieder mit meinem Mann im Kino. Schon als wir ankamen, war der Raum vor dem Tresen voll. Ich drehte ab und verkroch mich mit einem „Nee“ in die Ecke, was meinem Mann signalisierte, dass er die reservierten Karten allein holen sollte. Als er sie hatte, gingen wir raus eine rauchen, um dann etwas später wieder rein zu gehen. Es war etwas weniger los, da Viele bereits in einem der Kinosäle verschwunden waren, also stellten wir uns gemeinsam an, um Getränke und Knabbereien zu holen. Wir bekamen unsere Sachen, ich fragte meinen Mann, ob ich ihm was abnehmen könne, woraufhin er mir zwei Flaschen hin hielt, ich griff nach der einen, aber er ließ die andere los. Klatsch!

Erdloch, wo bist du, wenn man dich braucht!?

Während ich gewissenhaft die Scherben aufsammelte – geholfen hatte natürlich keiner – und mein Mann ein neues Bier kaufte, hörte ich hinter mir schon so was wie „Schuhe aus Stoff — Das stinkt —“. Mein Herz raste, wir hielten ja eh schon alles auf, es war mir unsagbar peinlich, und als wir uns umdrehten, sagte ich natürlich ganz beschämt „Sorry, tut mir leid“ zu der Dame, die direkt hinter uns stand, und offensichtlich ein paar Spritzer abbekommen hatte.

Was kam als Antwort? Ein total pampiges „Ähä“ (irgendwie kann man das nicht schreiben, aber vielleicht wisst Ihr, was ich meine). Und diese Art macht mich so richtig aggro! Ich antwortete: „WAS? Kann doch mal passieren!?“ und ging so schnell wie möglich weg, obwohl ich am liebsten ausgeholt hätte… Nein, so was mach ich nicht. Aber dieses Gefühl in mir… „Noch ein falscher Ton und ich…“ Boah, ey! Was ist bloß los mit den Menschen? Und so beschränkte ich mich auf ein gedachtes „Der Blitz soll dich treffen und dein Hirn einschalten!“

Wir also in den Kinosaal, perfekter Platz, denn neben und hinter uns war niemand mehr, ich wie immer brav das Handy auf lautlos gestellt… Was ich allerdings nicht bedachte war:

Mein Medikamenten-Alarm. So fing es Punkt halb acht an, aus meiner Jackentasche zu klimpern… „Shit — ah — hier — aus! — Ah, nein, Mist! Ich hab auf die Schlummerfunktion getippt! Mist! Mist! Mist!“ Und während mein Herz beinahe aus der Brust sprang, so sehr wie es klopfte, ich den Alarm komplett ausmachte, wünschte ich mir das zweite, noch viel größere Erdloch, in dem ich verschwinden konnte, und am besten nie wieder raus kommen möchte!

Das ist alles so grausam! Unter diesen Gefühlen habe ich schon in meiner Kindheit sehr gelitten. Einerseits diese leicht hervor zu bringenden Aggressionen, wenn mich jemand reizt, die ich aber zu schlucken lernen musste, andererseits diese unbändige Angst vor Fehlern, vor Peinlichkeiten, vor Blamagen…

Naja, unterm Strich war der Film klasse, wir fuhren wieder nach Hause, und beim Kochen entspannte ich mich dann langsam wieder.

Diese Situationen hallen allerdings in meinem Kopf immer so lange nach. Immer und immer wieder sehe ich mich darin in Dauerschleife. Meist hält das ein paar Tage. Da beneide ich manchmal die Gelassenheit anderer Menschen, die das mit einem Schulterzucken von sich abschütteln und darüber lachen können.

 

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Aufregen und Fremdschämen

 

Es ist nun schon die zweite Woche in Folge, in der unsere Mülltonnen bereits seit Samstag proppevoll ist. Die Müllabfuhr kommt donnerstags, bzw. freitags, wenn in der Woche ein Feiertag ist.

Ich weiß, ich bin übertrieben geprägt von „so etwas tut man nicht“, was mir mein Leben sehr unsicher und eingeschränkt gestaltet hat, obwohl mir andererseits Regeln auch ein gewisses Maß an Sicherheit vermitteln.

Das jetzt ist für mich aber die absolute Hölle! Da ist irgendjemand von unseren insgesamt 16 Parteien so kackdreist und haut alles Mögliche und Riesige in die Mülltonne, ohne Rücksicht auf was auch immer.

Wohin jetzt mit unserem Abfall!? Bis Freitag!! Auf dem Balkon stapeln, bis es durch die Sonneneinstrahlung bestialisch anfängt zu stinken? Einfach neben die Mülltonnen stellen, damit wir innerhalb kürzester Zeit sämtliche Viecher da haben?

Ich frage mich, wieso wir uns die Mühe machen, Müll zu trennen und zum Wertstoffhof zu fahren, ich meine Kinder zu Höflichkeit, Recht und Ordnung erziehe (ohne dass sie so reglementiert und unsichtbar leben müssen wie ich, versteht sich), immer Rücksicht nehme und generell ungern auffalle…

Diese Gedankenlosigkeit, oder gar der gleichgültige Egoismus anderer Leute macht mich rasend und beschämt zugleich. „So etwas macht man doch nicht!“

Und jedes Mal, wenn ich mit dem Hund raus gehe, sehe ich aus dem Augenwinkel diese überquellende Mülltonne und bekomme Tränen in die Augen. Vor Wut, vor peinlichem Berührtsein, und vor Unsicherheit. Denn: Wohin jetzt mit meinem Abfall? Oben drauf? Das hält nicht mehr.

Verzweifelte Grüße…

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Mal wieder da

 

Da sitze ich nun, und starre auf den Bildschirm.

So Vieles geht mir durch den Kopf, so lange habe ich nichts mehr geschrieben, und doch möchte alles raus.

Zuerst einmal ein kurzes Update bzgl. meiner Panikattacken:

Vier Wochen ist es nun her, dass ich das Buch las und mich darauf einließ. Ich denke, das ist hier das Stichwort – sich einlassen. Ich dachte mir „Was habe ich schon zu verlieren!?“ Skeptisch darf man natürlich sein, aber sollte sich dennoch Offenheit bewahren. Nun, was soll ich sagen? Innerhalb dieser letzten vier Wochen hatte ich noch vier oder fünf Anflüge von Panik. Aber wirklich nur Anflüge. Ich merke das insofern, als dass in absoluter Ruhe mein Puls anfängt zu rasen, mein Herzschlag stärker wird, sich mir die Kehle zuschnürt, ich anfange zu zittern und meine Kopfhaut kribbelt. Meine neue Reaktion darauf: „Hallo Körper! Schön, dass du funktionierst. Ich weiß jetzt, dass ich im Notfall zuschlagen oder fliehen könnte (denn dafür sind diese Körperfunktionen gedacht), sollte sich mal ein Löwe in den dritten Stock verirren oder ein Dinosaurier aus dem Gebüsch springen.“ Darüber muss ich dann so schmunzeln, dass die Symptome innerhalb weniger Minuten nachlassen und gänzlich verschwinden. Das ist mein gut funktionierendes Notfallprogramm. Klingt witzig? Soll es auch. Denn das Gehirn ist Meister der Manipulation.

Nicht vergessen darf ich aber das Gut-zu-mir-sein. Ich habe Pläne. Ich richte meine Wohnung mit Gebrauchsgegenständen und Alltagshelferlein ein, die mir Freude machen. So habe ich mir z.B. kürzlich solche Müsli-Schüttdosen gekauft. Und wenn ich nun den Schrank öffne und sie sehe, erfreue ich mich an diesem ordentlichen farbenfrohen Anblick.

Ich habe mir mal wieder Kerzen und Dekosand für meine großen Gläser gekauft. Zuvor muss ich aber hier ausmisten und somit die Oberflächen frei räumen, und das spornt mich unheimlich an. Ich freue mich auf das Endergebnis!

Meine Tochter

Was hat sie sich entwickelt! Der absolute Brüller!

Vor zweieinhalb Monaten ist sie 18 geworden. Seit dem ist Einiges passiert. Sie möchte es im September doch tatsächlich nochmal mit dem BVJ-Textiltechnik versuchen.

In den letzten Wochen und Monaten hat sie drei Cosplays genäht, welche sie bzw. ihre Freundin nun am vergangenen Wochenende an einer dreitägigen Veranstaltung getragen hat. Massig viele Leute – und sie hat sich sogar getraut, einen dreiminütigen Auftritt bei einem Wettbewerb aufzuführen. Ich war so was von stolz! Das kann ich Euch gar nicht sagen!

Und sie hat wieder ganz liebe Leute kennen gelernt, mit denen sie Kontaktdaten ausgetauscht hat.

Ihr tut das immer wieder so gut, so angenommen zu werden wie sie ist – klar, wer genießt das nicht. Aber nach ihrer Geschichte aus der Vergangenheit hat das nochmal eine ganz andere Bedeutung.

Auf diesen Cosplay-Treffen sind eh so viele außergewöhnliche Menschen, ein ganz spezielles Völkchen, dort fühlt sie sich einfach wohl, das ist ihre Welt.

Ihr seht, es geht uns wirklich gut, wir sind auf einem guten Weg, und lassen uns auch von dunklen Wolken nicht demotivieren.

Euch allen einen schönen Tag!

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