Zwischen Nutellagläsern und der Suche nach der inneren Ordnung

Mal wieder einer dieser Tage, an denen nichts so funktioniert, wie ich es geplant hatte, oder mir schlicht irgendwas oder -jemand in meinem Ablauf dazwischen funkt.

Leider ist mir der Gabe des Ordnung-Haltens nicht in die Wiege gelegt, weshalb ich dann beim Ordnung-Machen beinahe über meine Grenzen hinausgehen muss.

Der Hauptgrund, dass mir das „alles wieder an seinen Platz räumen“ so schwer fällt ist, dass hier nicht mal alles einen festen Platz hat.

Wir leben zu fünft in einer Vier-Zimmer-Wohnung, und irgendwo bleibt immer was liegen oder wird mal schnell einfach irgendwo abgelegt.

Dann nimmt man dieses Teil in die Hand, und weiß dennoch nicht, wohin damit.

Eine quälende Angelegenheit, die ich immer wieder in Angriff nehme, sei es durch umstrukturieren von vorhandenen Möglichkeiten oder Schaffen von neuen Ordnungssystemen.

Diesmal war die Küche an der Reihe. Und wenn ich dann mal los lege, habe ich den genauen Ablauf komplett in meinem Kopf. Ich weiß ganz genau, wie es am Ende auszusehen hat, und was ich dazu erledigen muss.

Ich kann nicht einfach mal auf die Schnelle Sachen von A nach B räumen und mal eben drüber wischen. Nein, zuerst muss alles frei geräumt werden, wozu ich herumliegende Gegenstände in Kartons lege, anschließend alles sauber mache, um alles am Ende wirklich da hin zu räumen, wo es hingehört.

So weit so gut.

Ich also mitten in meinem fast schon Trance ähnlichen Zustand, räume, sortiere und werfe bei der Gelegenheit auch weg, bis mir plötzlich an anderer Stelle etwas auffällt, was dort nicht stimmt. Ich kann mich dann kaum noch auf meinen Ablauf konzentrieren, so dass ich diese eine Angelegenheit korrigieren muss.

Das können Tassen sein, die jemand nicht in die Reihe gestellt hat, oder ein Fleck auf einem Polster.

Oder aber, es will jemand was von mir, was sich nicht aufschieben lässt, den Staubsauger zum Beispiel, den eigentlich ich gleich bräuchte, und somit bin ich wieder aus meinem Trott und innerlich koche ich vor Wut und Verzweiflung.

Ganz dramatisch wird es dann, wenn ich mit meiner Sortiererei noch nicht ganz fertig bin, und von jemandem noch nicht eingeräumte Dinge einfach an eine andere Stelle gelegt werden, weil sie stören.

Mein Ablauf, völlig durcheinander, mein Plan im Kopf, nichts mehr wert.

Das Chaos ist perfekt und ich fühle mich wie erschlagen. Ich gebe auf, ich packe alle übrig gebliebenen Sachen in die Kartons, die dann in irgendein Eck gestellt werden.

Kraft, um weiter zu machen, habe ich dann nicht mehr.

Es ist zum wahnsinnig werden. Es zerreißt mich innerlich und an Schlaf ist in der Nacht darauf nicht zu denken.

So geht es mir immer und immer wieder.

Das Problem ist, wirklich helfen kann man mir nicht. Bevor ich jemandem erkläre, wo was hin soll, mach ich es lieber selbst. Ich hab da halt mein System. Das soll dann auch bitte schön so umgesetzt werden.

Oft frage ich mich dann natürlich, wie andere das so scheinbar leicht hin bekommen.

Es wühlt mich auf und ich komme lange nicht zur Ruhe.

Ideen hätte ich eigentlich genug.

Für Kleinigkeiten habe ich seit einiger Zeit Nutellagläser gesammelt, die man wunderschön beschriften und in ein Regal einbauen kann. Das fertige Bild existiert in meinen Gedanken bereits. Aber dazu muss ich ja erst mal einen Überblick bekommen, und das Grobe mit einplanen, damit ich weiß…

Ach, wo soll das bloß enden. Ich verzettel mich immer viel zu leicht, vertiefe mich in Kleinigkeiten und verliere das Gesamtbild aus den Augen.

Wenn dann die Frage kommt: „Was willst du eigentlich mit den ganzen Gläsern?“ bin ich immer ganz entsetzt: „Na, Ordnung machen natürlich.“ – Irgendwann.

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