Sommer, Sonne, Sonnenschein – Irgendwie war’s doch früher anders

Ich bin eindeutig ein Sommerkind.

Ich hasse es zu frieren, ich werde dann unleidlich und schlecht gelaunt.

Wobei ich einen schön verschneiten Winter durchaus zu genießen weiß, wenn da nicht dieses Grau in Grau wäre und als Abschluss dieser Matsch… Das schlägt mir schon mit der Zeit aufs Gemüt.

Nun spüre ich wieder die Wärme auf meiner Haut, die Helligkeit motiviert mich eher, aktiv zu werden, die Wiesen leuchten in einem saftigen Grün, und ich liebe den Geruch von frisch gemähtem Gras.

Doch leider gibt es da auch die Kehrseite der Medaille:

Scharen von Menschen kommen aus ihren Löchern gekrochen, und man wird an allen Ecken und Enden aus seinen Gedanken gerissen. Wenn abends unzählige Kinder immer noch auf der Straße gröhlen, so dass ich den Fernseher schon nicht mehr richtig höre, fühle ich mich doch wieder gezwungen, alle Fenster und Türen zu schließen – schade um die Luft. Die ganzen Geräte, die nun in den Gärten eingesetzt werden, um der Natur Einhalt zu gebieten, scheinen in Dauerschleife zu laufen; nicht einmal die Mittagsruhe ist gesichert. Entspannt auf dem Balkon sitzen? Fehlanzeige. Von überall her wabern die unterschiedlichsten Gerüche von Essen, sei es, weil gegrillt wird, oder alle Fenster offen stehen. Ein heilloses Durcheinander.

Dazu kommt das Gesumm und Gebrumm diverser Insekten, welches in meinen Ohren einen solch unerträglichen Reiz auslöst, was wohl mit der Frequenz zusammen hängt, und abgesehen davon lösen diese Tierchen Ekel oder sogar Panik in mir aus. An Essen im Freien ist da nicht zu denken, denn ich bin die Erste, egal wie viele Leute um mich herum sind, die von Wespen vertrieben wird. Ich empfinde den Sommer mittlerweile als viel zu laut und unruhig.

Da wünschte ich mir immer ein kleines Häuschen auf dem Land, keine Nachbarn um mich herum, keine Spielplätze oder Fußballfelder, keine Einkaufszentren in der Nähe… Nur ich und die Stille.

Auch ertrage ich krankheitsbedingt das Licht der Sonne immer weniger. Werde mir nun doch eine Sonnenbrille machen lassen müssen, und das, obwohl ich meine eigentliche Brille eh schon nicht mag. Kontaktlinsen kann ich leider auch keine mehr tragen, da sich meine Augen verändern, ebenfalls durch die Krankheit.

Wie konnte es nur so weit kommen? Ich komme mir vor, wie eine alte, verbitterte Frau, die an allem was zu meckern hat. Das klingt so gar nicht nach mir. Ich merke nur, dass ich mit Reizüberflutungen immer schlechter umgehen kann, oder ich werde sensibler.

Zugegeben: Ich nehme meine Umwelt ganz bewusst intensiver wahr. Dieses getrieben sein, den Alltag irgendwie überstehen, nur noch funktionieren, habe ich mir in den letzten Jahren immer besser abgewöhnt. Und es tut mir gut. Nur die eigentliche Entspannung bleibt aus. Dafür ist anscheinend unsere heutige Welt nicht gemacht.

Eigentlich schade, wenn man bedenkt, wie sehr man sich auf eine Jahreszeit freut, und dann kann man es nicht mal richtig genießen. Dennoch erinnere ich mich gern daran, wie es früher war. Zeit spielte weniger eine Rolle, sich eine Decke nehmen und damit unter einen Baum in die Wiese setzen war auch erlaubt, die Menschen schienen mir im Großen und Ganzen freundlicher. Man konnte sich noch über Kleinigkeiten freuen, ja, man hat sie überhaupt erst einmal wahrgenommen.

Sollten diese Zeiten wirklich vorbei sein?

Selbst meine Kids fühlen sich eher von dem ganzen Gewusel gestört. Es gibt kaum mehr Orte, an denen man sich zurück ziehen kann, und dort dann auch in Ruhe gelassen wird. Dass die Jugend von heute immer mehr zu Stubenhockern wird, wundert mich da nicht. Zumindest nicht bei Kindern wie meinen, die nun mal schneller zu Overloads neigen.

Vielleicht wollt Ihr ja mal berichten, ob Ihr das auch so empfindet.

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Eine Antwort zu Sommer, Sonne, Sonnenschein – Irgendwie war’s doch früher anders

  1. Luise Kakadu schreibt:

    Es ist eigenartig, das zu lesen.
    Ich glaube, einen fast wörtlichen Beitrag – zumindest sehr sehr ähnlich – habe auch ich schon geschrieben.
    Gerade dieses „alte verbitterte Frau“ empfinde ich genau so, ganz speziell.
    Als sei man genötigt; gezwungen, sich zurück zu ziehen – ungewollt und von anderen.
    Weil man deren Art zu leben nicht (mehr) ertragen kann.

    Oft frage ich mich, ob andere tatsächlich rücksichtsloser geworden sind – oder ob all dies aus einem selbst erwächst. Man einfach nicht mehr mit kommt; das Tempo nicht halten kann.
    Traurig ist es in jedem Fall.
    Sehnsucht nach einer stilleren, langsameren und liebevolleren Welt.
    Irgendwo.

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