Anerkennung

Streben wir nicht alle danach?

Wenigstens so ein bisschen?

Der Wunsch, geliebt, oder wenigstens einfach gern gehabt zu werden…

Ist er nicht in jedem von uns vorhanden?

Zumindest Rückmeldung erhalten, für unser Tun, feedback bekommen, sowohl im positiven als auch, wenn es denn nötig ist, im negativen Sinne…

Ist dies nicht ein natürliches Bedürfnis?

Genau hier erkenne ich ein Problem.

Mir ist aufgefallen, dass viele Mitmenschen kaum noch wahrnehmen, was einem wichtig ist. Oftmals fehlen ehrliche konstruktive Kritiken, wenn es darum geht, sich auszutauschen. Vielleicht ist die Grundlage meines Problems auch die, dass ich mit Oberflächlichkeiten nicht umzugehen weiß. So fällt es mir oft schwer, ein beiläufiges „Mhm“, „Aha“, oder dergleichen, richtig einzuordnen.

Für mich ist Kommunikation ein Austausch von Informationen, gleich, ob jemand von einem Erlebnis erzählen will, ein Ventil für seine Gedanken braucht, oder wenn man Wissen oder Meinungen diskutiert. Hoch konzentriert höre ich zu, versuche zu verarbeiten, was mir gesagt wird, verknüpfe meine eigenen Einfälle damit und gebe mir schlussendlich allergrößte Mühe, diese passend in Worte zu fassen, wenn es sich anbietet. Schließlich gehe ich meistens davon aus, dass mein Gegenüber eine Reaktion erwartet, dass ich bei manchen Stichpunkten vielleicht nochmal genauer nachfrage, mir hin und wieder einen Einwand erlaube, oder, und das ist natürlich das Einfachste, eine direkte Frage beantworte.

Missverständnisse können ebenfalls auf diese Art und Weise geklärt werden, sodass Dispute gar nicht erst entstehen müssen. Zumindest frage ich direkt nach, wenn mir etwas seltsam erscheint, oder ich mich gar angegriffen fühle, weil ich prinzipiell davon ausgehe, dass man mir nichts Böses will, und ich es nur „in den falschen Hals“ (RW) bekommen habe.

An diesem Punkt höre ich sie wieder, die Stimme meiner Mutter: „Schließe nicht immer von dir auf andere.“

Wie Recht sie damit bedauerlicherweise hatte, wird mir erst jetzt immer mehr bewusst.

So passiert es mir sehr häufig, dass ich nach Dingen gefragt werde, die ich doch schon längst erzählt hatte. Oder dass von jemandem Dritten gegenüber etwas berichtet wird, was von mir bereits ausgeführt wurde.

Hört mir denn keiner zu?

Vergisst man meine Äußerungen so schnell wieder?

Bin ich so uninteressant?

Oder drücke ich mich so missverständlich aus?

Warum also sollte ich mit jemandem Gespräche führen, die so schnell in Vergessenheit geraten, dass man nicht mehr daran anknüpfen kann? Wieso frage ich bei jemandem nach, was aus einer bestimmten Sache geworden ist, weil ich mich nun mal dafür interessiere, ich selbst bekomme aber das Gefühl, ich hätte von einem Thema noch nie etwas erwähnt, weil mein Gesprächspartner völlig überrascht ist?

Natürlich erwarte ich von keinem, dass er bis ins Detail noch alle Gespräche im Kopf hat. Viele Informationen werden ja auch sehr fachlich, und wenn jemand keinen Bezug dazu hat, tut er sich natürlich schwer, selbst wenn Interesse vorhanden ist.

Aber mir geht es zumindest so, dass ich durchaus sagen kann, dass wir uns über ein Thema schon einmal unterhalten hatten, und bitte ggf., mir noch einmal mit Stichpunkten auf die Sprünge zu helfen, um mich wieder genauer daran erinnern zu können.

Und so sage ich dann auch hin und wieder: „Ja, das hattest du mir erzählt.“

Die Reaktionen darauf sind für mich oftmals so verblüffend wie unverständlich: Kurzes Schweigen, ein betretenes „Ach ja, ok“, und irgendwie erschleicht mich das Gefühl, mein Gegenüber ist beleidigt. Aber wieso? Weil derjenige vergessen hat, dass wir schon darüber gesprochen hatten? Weil ich mir erlaubt habe, mich daran zu erinnern? Hätte ich mir alles nochmal berichten lassen sollen?

Das verwirrt mich.

Andererseits scheint es aber nicht alltäglich zu sein, Austausch in einer Form aufzunehmen, dass man darauf aufbauen könnte.

Mich nervt das.

Und es verletzt mich.

Der Unterschied wird deutlich, wenn ich mich mit den zwei, drei Menschen in meinem Umfeld unterhalte, die ebenso in die Tiefe gehen können wie ich. Hierbei spielt Zeit keine Rolle mehr. Und man greift Dinge auf, die schon eine Weile her sind, wenn sie mit aktuellen Geschichten in Zusammenhang stehen.

Jetzt verstehe ich auch den Spruch: „Das geht bei dem einen Ohr rein, und beim anderen wieder raus.“

Was das nun mit Anerkennung zu tun hat?

Nun, ein Beispiel:

Ich erzählte einer Bekannten von meiner Arbeit als „Teamtrainer Mensch-Hund“, meinen Ideen und den dazu gehörigen Schwierigkeiten. Sie schien interessiert zu sein und brachte sich auch mit ein, da sie selbst einen Hund hat, und ich schloss das Gespräch mit einem „Mal sehen, was daraus wird.“ Selbst hier kam ein: „Berichte mir dann unbedingt davon – interessiert mich sehr!“

Einige Zeit später ergab es sich, dass ich ihr tatsächlich von Veränderungen und Erfolgen berichtete, zumindest begann ich damit, bis ein völlig verwirrtes Einhaken meiner Bekannten meine Worte ausbremste, und sie mir Fragen stellte, als hätte sie überhaupt keine Ahnung, wovon ich überhaupt sprach.

Leider beginne ich dann sofort, an meinem eigenen Verstand zu zweifeln, mittlerweile frage ich aber vorsichtig nach: „Hab ich dir nicht schon von XY erzählt…“ und erwähne markante Stichpunkte, die im Gedächtnis geblieben sein müssten.

Oft kommt dann ein: „Nee, wüsste ich jetzt nicht“, oder ein „Jaaa, irgendwie… ich weiß jetzt aber nicht mehr…“

Und nein, das sind keine Ausnahmen. So geht es mir häufig. Und es trägt nicht unbedingt zum Aufbau meines eh schon geringen Selbstwertgefühls bei.

Am liebsten würde ich alle Gespräche aufnehmen, dann könnte ich mir selbst wenigstens beweisen, dass ich dies und jenes sehr wohl schon erzählt hatte.

Vielleicht fällt mir deshalb schreiben auch leichter.

Hier sind die Worte wieder zu finden. Hier könnte ich eindeutig sagen: „Hier steht’s!“ Um mir gerade noch zu verkneifen „Hast du halt nicht richtig gelesen“ oder so was.

Ja, ich gebe zu, das hört sich an wie ein beleidigtes Kind.

Ich bin nun mal enttäuscht, wenn ich merke, wie unwichtig doch alles zu sein scheint.

Mir geht es nicht darum, dass meine Meinungen die einzig Wahren sind.

Es ist auch nicht so, dass ich mich mit Wissen, welches ich äußere, wichtig machen möchte. (Bitte bloß nicht!) Ich dosiere ja eh schon sehr vorsichtig, wie ich mit wem kommuniziere, weil ich weiß, dass mein Gegenüber nicht immer das selbe Interesse teilt. Wenn ich speziell gefragt werde, dann natürlich schon.

Und eine absolute Ausnahme ist es dann, nach einiger Zeit eine Rückmeldung zu bekommen, wie z.B. „Unser letztes Gespräch hat mir sehr geholfen…“ und daraus ein positives Ergebnis bei einem Problem resultiert. Das freut mich sehr.

So schränke ich mich noch mehr ein, erzähle Vieles schon gar nicht mehr.

Anerkennung.

Überhaupt wahr genommen zu werden.

Nicht nur in Worten.

Auch Taten wollen bemerkt werden.

Als Hausfrau steht natürlich keiner hinter einem und klopft mir auf die Schulter, um zu erwähnen, wie toll ich doch wieder die Wäsche gewaschen oder das Bad geputzt habe.

Allerdings scheint es auch egal zu sein, wenn ich mehrere Tage gar nichts tue, denn auch hier sagt keiner „Wie wär’s mal wieder mit Staubsaugen?“ Von der Frage, ob ich vielleicht Hilfe brauchen könnte, träume ich ja schon gar nicht mehr. Es ist egal.

Diese Gleichgültigkeit. Für mich kaum zu ertragen.

Auch wenn ich frage: „Soll ich das so und so machen?“ kommt ein „Mach wie du meinst“.

Ähm… Heißt das, egal wie ich es mache, ist es gut?

Das ist doch nicht möglich!?

Keine Kritik? Okay.

Kein Lob? Doch nicht okay?

Ich verstehe es nicht.

Irgendwas?

Irgendeine Reaktion?

Hm…

Also ist es doch egal?

Dann kann ich es auch lassen.

Schade.

Ich dachte, ich hätte etwas zu geben, was für jemanden wichtig oder wertvoll sein könnte.

Nun hat sich dieser Artikel ziemlich verselbstständigt.

Das passiert, wenn mir so viel durch den Kopf geht, was irgendwo hin muss.

Und wenn ich schon nicht mehr spreche, dann schreibe ich eben.

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