Der immer wieder verstummende Schrei

Es ist mal wieder passiert:

Enttäuschung, Wut, Trauer…

Diese Ungerechtigkeit anderen gegenüber, die mich so verletzt, dass ich schreien und weinen zugleich könnte. Aber es kommt – nichts.

In mir braut sich ein Klumpen von sämtlichen Gefühlen zusammen, dass es schmerzhaft wird. Bauch, Kopf, alles tut mir weh. Mir wird übel.

In solchen Momenten kann ich nicht sprechen.

Ich kann meinen Emotionen nicht einfach freien Lauf lassen, oder gar in Worte fassen, was in mir gerade vorgeht. Das heißt, in Worte fassen kann ich es schon, aber nur in meinem Inneren.

Unfähig, diese Worte nach außen zu tragen, fühle ich mich in mir gefangen.

Wieder einmal.

Typisch autistisch?

Ein „Überbleibsel“ meiner Erziehung?

„Sei still! Halt den Mund! So redest du nicht mit mir! Reg dich nicht so künstlich auf!“

Bei Menschen, bei denen ich von vorn herein schon weiß, dass sie mir erst gar nicht zuhören werden, habe ich es schon längst aufgegeben, mir Recht zu verschaffen.

Zu wissen, dass man eher angegriffen wird, weil der andere sich nicht kritisieren lässt, obwohl ich weiß, dass etwas Ungerechtes geschehen ist, nimmt mir meine letzte Kraft.

In diesen Momenten nimmt mir dieser Mensch die Luft zum Atmen.

Seine bloße Anwesenheit lähmt mich in all meinem Sein.

Ich bin dann nur noch Hülle.

Und der andere fühlt sich mir überlegen. Er hat gesiegt.

Kein Ausweg in Sicht.

Angst.

Die Sache mit den Gefühlen… Oft diskutiert und verkannt…

Zugehört wird mir nur von Menschen, die meine Äußerungen zu schätzen wissen.

Ihnen sind meine Befindlichkeiten wichtig.

Ihnen kann ich Vertrauen.

Warum aber sind es ausgerechnet Menschen, mit denen man zusammen lebt, die mir meine Worte nehmen? Ich will nicht glauben, dass es deren Charakter ist. Sie erscheinen mir egoistisch. Hauptsache in ihren Reihen ist alles in Ordnung. Zumindest wird nichts Gegenteiliges erwähnt. Selbst wenn ich das Gefühl habe, irgendetwas bedrückt diesen Menschen. Aber er sagt nichts.

Und wieder einmal zweifle ich an meiner Wertigkeit.

Ich scheine nicht wichtig zu sein, es nicht wert zu sein, sich mit mir und meinen Gefühlen auseinander zu setzen. Vielleicht bin ich zu anstrengend. Vielleicht aber auch unangenehm, weil ich Dinge anspreche, die Kritik üben, an einer Äußerung oder Handlung, die ich untragbar finde. Also, zumindest theoretisch. Denn praktisch bin ich schon längst verstummt.

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