Hab ich irgendwas falsch gemacht?

Zugegeben: Dieser „Fuzzi“ in meinem Kopf, den man auch „Selbstzweifel“ nennen könnte, begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich bin sehr leicht zu verunsichern, bin selbstkritisch, und nehme mich deshalb lieber zurück. Fehler zu machen oder als dumm da zu stehen, das macht mir schon immer wieder Angst.

Mit dem Älterwerden gelingt es mir immerhin ab und zu, einen Schritt zurück zu treten und mich mit etwas Abstand und einigermaßen neutral zu betrachten.

Derweil habe ich nicht einmal ein Problem mit Kritik, so lange sie ehrlich und respektvoll formuliert wird. Ich denke gerne über Ansichten anderer Menschen nach und lerne dazu.

Mein Problem ist eher, und auch das war es immer schon, wenn gar nichts kommt. Kein feedback, keine Beurteilung, keine Meinung, nichts.

Und so ist es gestern wieder einmal passiert:

Es wurden Beiträge verfasst, in denen es um „Aktivitäten von selstdiagnostizierten Autisten“ geht, so wie ich das verstanden habe. (Dieser hier z.B.)

Mein erster Gedanke: „Was ist denn hier los?“

Nun bin ich keine *Facebookerin* und keine *Twitterin*, und somit scheint mir der Zugang zu aufklärenden Informationen zu fehlen. Dennoch glaube ich, ich hab so eine ungefähre Ahnung, um was es geht.

Somit stelle ich mir dann allerdings selbst die Frage:

„Habe ich jemals irgendwo den Eindruck vermittelt, ich würde mich selbst als Autistin betiteln?“ – „Nein.“ – „Oder doch?“ – „Ohje, ich hoffe nicht!“ – „Hab ich?“

Wie eingangs beschrieben bin ich eh leicht zu verunsichern, so käme ich gar nicht auf die Idee, irgendetwas von mir selbst zu behaupten, wofür ich keine Bestätigung habe.

Meine Äußerungen dazu gehen eher in die Richtung „Es würde mich nicht wundern“, und das, weil ich mich beim Durchlesen unzähliger Berichte von Erwachsenen Autisten in vielen, wirklich vielen, Dingen wieder erkenne.

Es gibt auch hin und wieder Aussagen von außen, die in die Verdachtsrichtung gehen, Leute, die mich fragen, ob ich eine Diagnose hätte, oder vorhabe, eine machen zu lassen. Überrascht bin ich dann schon jedes Mal. Aber wir werden sehen… Mitte diesen Jahres… *duck* Ja, es ängstigt mich, den Termin näher rücken zu sehen.

Was mach‘ ich nun damit? Bin ich Aktivistin? Damit würde ich mich nicht identifizieren.

Ja, ich tausche mich gerne aus. Ich bin Mutter einer Autistin. Wir haben zusammen schon einige Erfahrungen gemacht.

Berate ich andere Menschen? Ja. Im Zuge der Selbsthilfe für Eltern, auch gab es schon Fragen von Kindergärtnerinnen oder einer angehenden Musiktherapeutin, einer Leiterin eines Tierheims bgl. eines Praktikanten, usw.

Die Grundlagen dieser „Beratung“ ist aber immer eine Idee, meine Gedanken, Vorschläge, nach dem Motto „bei uns hat dies und jenes geholfen“, „vielleicht probierst du mal“, „bei mir/meiner Tochter/uns ist das so und so“, maximal ein „würde ich nicht tun, weil…“ Für mich immer ganz wichtig: Nachvollziehbarkeit.

In meinem Job habe ich gelernt, analytisch, systemisch und Ressourcen orientiert zu arbeiten und Prozesse zu begleiten. Das liegt mir von Natur aus eh, weshalb mir das sehr leicht fällt. Man bekommt nun mal keine „Bedienungsanleitung“ mit auf die Welt. Aber ich forsche gerne nach den Warums und Wiesos.

Gehe ich damit schon zu weit, wenn ich bspw. über Therapien meine Meinung äußere und sogar davon abrate? Ich hoffe nicht.

Es gibt nur eine Situation, in der ich mir wünschte, ich hätte „dieses Stück Papier„, nämlich dann, wenn sogenannte „Fachkräfte“ meinen, sie wüssten besser als wir, was das Beste für uns wäre. Dann würde ich gerne mal laut aufschreien: „Das ist Mist“ Ich werde doch wohl besser nachvollziehen können… schließlich bin ich selbst…“ Nein, das tu‘ ich natürlich nicht. Wie käme ich dazu. Leider sage ich dann oft gar nichts.

Im Rahmen meiner Möglichkeiten biete ich immer gerne Hilfe an. Wenn ich Autisten und Angehörige oder generell Interessierte unterstützen kann, werde ich das immer tun.

Ich hoffe, das ist für alle okay, wie ich das handhabe.

Falls sich jetzt jemand fragt, wieso ich mich aufgrund der Beiträge angesprochen fühle… Tja, so bin ich eben. Ich versichere mich lieber nochmal nach, bevor ich „übers Ziel hinaus schieße“ (RW). Nehmt es mir nicht übel.

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12 Antworten zu Hab ich irgendwas falsch gemacht?

  1. Anita schreibt:

    Hey, alles gut!

    Es ging um Menschen, die sich „selbst“ diagnostiziert haben, sich als Autist „verkaufen“ und mit ihren „Erfahrungen“ mehr Schaden anrichten, als dass sie der Selbsthilfe nutzen.

    Diese schreiben nirgends, dass sie nur einen Verdacht haben. Sondern behaupten irgendwas.

    Und das hast Du nicht getan. Das was Du tust, das tue ich auch und das ist OK so.
    von der Diskussion angeregt, hatte ich das hier

    https://butterblumenland.wordpress.com/2016/02/05/autismus-verdacht-diagnostik-gastbeitrag/

    geschrieben.

    Vielleicht findest Du Dich da ja auch ein bisschen wieder. 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. butterblumenland schreibt:

    Nein, du hast nichts falsch gemacht.

    Gefällt 2 Personen

  3. dasfotobus schreibt:

    Da du meinen Blogbeitrag verlinkst:
    Sei gewiss, dich meinte ich nicht. Keine Sorge. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • sinnesstille schreibt:

      Danke! 🙂
      Ich hatte Deinen Beitrag verlinkt, weil das für mich leider nur Informationsfetzen sind, deren Ursprung ich nicht nachvollziehen kann, weil Twitter und so.
      Und ich fragte mich, was ein Selbstdiagnostizierter (oder mehrere?) getan hat, was so sauer aufstößt.

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