Shampoo-Flaschen auf dem Badewannenrand

Es gibt so Tage… Boah, nee…

Da geht man am besten gleich wieder ins Bett und zieht sich die Decke über den Kopf, in der Hoffnung, man fällt in einen tiefen Schlaf, und danach ist alles wieder gut.

Das sind so Tage, an denen ich mich frage, ob ich selbst „noch richtig ticke“.

Die Nacht war schon seltsam dünn – so nenne ich das immer, wenn ich nicht wirklich tief und auch nicht durchgeschlafen habe, ohne einen tatsächlichen Grund ausmachen zu können.

Am frühen Morgen, wenn ich dann gar nicht mehr liegen bleiben kann, weil mein Kopf schon vor Stunden die Arbeit aufgenommen hat, komme ich dann eben meiner Routine nach:

Kaffee, in meine Kuscheldecke eingewickelt, Balkon, Kippe. Mein Blick wandert durch die Ferne und ich lausche den Farben des Sonnenaufgangs, der sanft in den Ohren und auf meinem Gemüt klingt.

Mein Mann steht auf, um seinerseits seinem morgendlichen Ablauf nachzukommen, bis er sich auf den Weg zur Arbeit macht. Normalerweise ist er derjenige, der vor mir aufsteht.

Die Stunde, bis er das Haus verlässt, ertrage ich so vor mich hin. Zwar weiß er, dass ich morgens weder angesprochen werden möchte, noch vor guter Laune strotze, dennoch kann er sich hin und wieder den einen oder anderen Anflug von Kommunikationsversuch nicht verkneifen. Gott sei Dank nimmt er mir meine fehlende Resonanz nicht übel.

Nun kommt mein ältester Sohn, um sich ebenso für den Tag bereit zu machen. Glücklicherweise gerät er eher nach mir, wir kommunizieren mit Blicken und müder Mimik, und wir wissen voneinander, wie es uns geht. Passt.

Die beiden „Kleinen“ haben gerade Ferien und geben sich der pubertären Langschläfrigkeit hin, so dass ich endlich für mich alleine bin.

Zweiter Kaffee, Kuscheldecke, Balkon, Kippe.

Deutlich heller als vorhin höre ich Menschen aus den Häusern in ihre Autos oder Richtung irgendwohin schlurfen. Das ist nicht weiter tragisch, denn man sieht mich auf dem Balkon im dritten Stock nicht, ich sitze an der Wand und genieße das Aufwachen der Welt, fühle mich als unbeteiligter Zuschauer, sicher.

Die dünne Nacht hat an mir ihre Spuren hinterlassen, ich fühle mich unwohl und freue mich auf eine regenerierende Dusche…

Doch dort kommt es über mich, im Inneren – immer nur im Inneren, denn das wurde an mir grandios konditioniert: „Reg dich nicht so künstlich auf!“, „Sei ruhig und nimm es hin!“, „Mach nicht so ein Theater um solche Kleinigkeiten!“

Shampoo und Duschgel stehen da, wo sie nicht hingehören!

Wo gehören sie denn hin?

Naja, wozu steht denn dort das Eckregal?

Mit vier Ebenen: Shampoos für die Kerle – Duschgels für die Kerle – Shampoos und Spülung für die Mädels – Duschgels für die Mädels!

Ist denn das so schwer, das wieder dort hin zurück zu stellen, Herr G…

Stopp! Nicht fluchen!

Ich weiß, vielen ist es egal, wie rum die Flaschen stehen, können die Wichtigkeit nicht nachvollziehen, wobei meine Tochter und ich ein Arrangement getroffen haben:

Sie erträgt es nicht, wenn sie von den Produkten „angestarrt“ wird, also stehen sie mit dem Rücken nach vorne. Ich bestehe auf eine bestimmte Platzierung in Reih‘ und Glied. Aber anscheinend kommen diese Informationen nicht bei jedem in unserer Familie an, dass Regale und Schränke zu einem bestimmten Zweck erfunden worden sind.

Okay, durchatmen, alles wieder so hin räumen, wie es gehört, duschen.

Und als ob es mit dem Schicksal so abgesprochen wäre:

Genau an solchen Tagen wechselt die Wassertemperatur von allein nach gut Dünken, egal was man tut, es ist wie verhext. Beim Ausweichen vor dem kalt werdenden Wasser gerate ich ins Wanken und komme an den kalten ekelhaft feuchten Duschvorhang.

Himmel, A…

Niiicht fluchen. Schööön ruhig bleiben…

Ja, aber…

Grrrrrr….

Irgendwie gelingt es mir dann schließlich, den Duschvorgang zu vollenden, doch während ich mich in meine übergroßen Handtücher wickle, kommt der nächste Aufreger prompt:

Eines der anderen Handtücher hat wohl den Haken an der Wand verfehlt und liegt der Heizung zu Füßen, ungeachtet dessen, dass es nunmal dort fehl am Platz ist.

Ja, Herrschaft… Das fällt einem doch auf, wenn einem was runter fällt, oder etwa nicht? Dann bückt man sich halt danach und hebt es auf, hängt es auf… hängt am besten sich selbst gleich daneben…

Verdammmmmmm……

Mir reicht’s.

Ich zieh mich an, stopfe meine Nacht-Klamotten in die Wäschesammler und verlasse fluchtartig das Bad.

Dritter Kaff… Mist, Kanne leer.

Noch eine Tasse extra machen?

Keine Lust mehr.

PC an, nachsehen, was sich im www so getan hat in den letzten Stunden…

Ach, hätte ich es bloß bleiben lassen…

Da ich mich ja nun immer beherrsche, brülle ich eben aufs Papier bzw. auf den Bildschirm.

Auch Geschriebenes kann laut, Stille ohrenbetäubend sein.

Innerlich beobachte ich mich, gleiche dem tobenden Rumpelstilzchen, um dann erschöpft ins Nichts-Tun zu verfallen.

Sei’s drum.

Heute stehen keine Termine an.

Nur der Hund möchte hin und wieder draußen eine Runde drehen, um sich mit den Hunde-News auf den neuesten Stand zu bringen.

Kopf schüttelnd, und an meinem Verstand zweifelnd, tue ich ihm den Gefallen und tauche ein in die Welt da draußen, die mir heute wieder besonders fremd vorkommt.

Euch allen einen schönen Tag!

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2 Antworten zu Shampoo-Flaschen auf dem Badewannenrand

  1. Luise Kakadu schreibt:

    Auch wenn dein Beitrag schon länger her ist, so möchte ich dich dennoch nicht alleine lassen mit deinem Bedürfnis nach bestimmter Ordnung.
    Auch ich kenne das von mir.
    Auch bei mir steht immer alles dort, wo es stehen soll; mit dem Winkel und dem Gesicht genau dort, wo ich es haben will.
    Irgendetwas im mir braucht diese Ordnung; diese Verläßlichkeit; Sicherheit; Gewißheit.
    Sie gibt mir ein gutes Gefühl, Heimat und Geborgenheit.

    Seit ich nun mit meinem Mann gemeinsam wohne, haben wir den Deal, dass er seine Sachen stellen kann, wie und wohin er will.
    Meine und die gemeinsamen Dinge haben ihren Platz – sowie alle „öffentlichen“ Sachen, die so in der Wohnung rumstehen.

    Trotzdem wünschte ich manchmal, ich bräuchte dies nicht.
    Könnte frei und gedankenlos stellen und hinwerfen, wie ich grad will.
    Mensch sein – und Mensch sein lassen……

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    • sinnesstille schreibt:

      Ich danke Dir für Deine Worte!
      Ich würde mir ein bisschen mehr Ausgeglichenheit wünschen: Ein wenig mehr Ordnungssinn im Allgemeinen, dafür mehr Gelassenheit im Speziellen. Und eben diese Unausgewogenheit bringt mich so durcheinander. Immer wieder.
      Aber wer weiß, welche Entwicklungen noch möglich sind. 😉 Lass uns offen dafür bleiben.

      Gefällt 1 Person

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