Unbegreiflich

Gestern hatten wir Eltern ein Gespräch in der Einrichtung, in der meine Tochter ihr BvB macht. Stein des Anstoßes ist nämlich, dass sie immer wieder die Mitarbeit verweigert, gerade wenn es um Gruppenarbeiten geht, vorlesen, ein Referat halten, oder auch sonst sei alles sehr Tagesform abhängig. Die Gruppenleiterin fühle sich respektlos behandelt, und so gehe das nicht weiter. Sie könne nicht immer nur das tun, was ihr Spaß machen würde, das ginge auf dem Arbeitsmarkt ja schließlich auch nicht, da sei man auch nicht so großzügig und nachsichtig… Eine Therapie wäre dringend anzuraten…

Von meiner Tochter weiß ich, dass ihr diese ständigen Wiederholungen von ihrer Meinung nach sinnlosen Lerninhalten auf die Nerven gehe, vor allem, wenn sie diese doch bereits könne. Und vor der Gruppe sprechen falle ihr einfach schwer, was nicht heißt, dass sie dies nie tun würde.

Zusammengefasst kam man deshalb zu der Ansicht, dass meine Tochter nicht reif für den 1. ArbeitsMarkt sei. Sie müsse sich mehr anpassen, sie brauche immer eine Sonderbehandlung, im Gegensatz zu allen anderen (!) Teilnehmern. Ähm, nur mal angemerkt: Diese Einrichtung arbeitet speziell mit Autisten zur Berufsvorbereitung!

Wie ich bereits erzählt hatte, hat es meine Tochter geschafft, sich für den nächsten Praktikumsblock selbst ein Praktikum zu organisieren, wofür sie am Donnerstag einen Probearbeitstag hat. Sie hat mit der dortigen Chefin telefoniert, die Termine geklärt, usw.

Das kam natürlich auch gestern zur Sprache.

Man wolle meine Tochter ja nirgends hinein drängen, wenn sie selbst auch einen Ausbildungsplatz finden würde, wäre das ja ok, aber sie sehen sie eben nicht auf dem 1. AM. Deshalb würde sich die Berufsbegleiterin auch weniger Mühe in diese Richtung geben, und eher nach einer Ausbildung im geschützten Rahmen suchen, was ja prinzipiell eine gute Alternative ist, versteht mich nicht falsch. Aber meiner Tochter deshalb die Erfahrung verwehren?

Am Ende aber wurde plötzlich gelobhudelt, wie toll das sei, solche eine Eigeninitiative zu zeigen, was zeigen würde, dass die Reife für den 1. AM vorhanden sei.

Wie jetzt?

Manchmal hab ich das Gefühl, ich bin zu doof das alles zu verstehen.

Ich bin ja ein Mensch, der gerne nach den Ursachen forscht, deshalb war bzw. ist es mir ein Anliegen heraus zu finden, wie man es meiner Tochter leichter machen kann, ihre Motivation wieder zu finden. Aber darauf wolle man jetzt nicht mehr eingehen.

So bleibt mir nur abzuwarten, wie es weiter geht. Mit meiner Tochter habe ich gestern nochmal gesprochen, wie sich die Gruppenleiterin fühlt, und was sie mal ausprobieren könnte (mal für ein paar Minuten bei Gruppenarbeiten mit machen, um dann eine Pause zu machen, was ihr durchaus zugestanden wird, usw.), und sie hat dies sehr verständig aufgenommen. Sie ist ja nicht dumm. Ganz im Gegenteil. Und hier ist, glaube ich das Problem. Sie fühlt sich unterfordert, was aber als Überforderung ausgelegt wird.

Man hat’s nicht leicht… Naja, kämpfen wir mal weiter.

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5 Antworten zu Unbegreiflich

  1. Anna B. schreibt:

    Die Gruppenleiterin fühlt sich respektlos behandelt? Also mein Sohn „kann“ keine Gruppenarbeit und das gilt es doch zu respektieren? Dafür kann er aber ganz andere Sachen, die auch auf dem 1. Arbeitsmarkt gebraucht werden.

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    • sinnesstille schreibt:

      Meine Tochter kann Gruppenarbeit, aber nicht immer, bzw. nicht immer sofort. Und eben deswegen, weil die Mitarbeit nicht abrufbar sei, könne man auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht bestehen.
      Mir ist das zu engstirnig.
      (Nur mal nebenbei: Als meine Tochter ihre ersten Praktika machte, hat sie auch den dortigen Azubis und Arbeitskollegen geholfen = Zweier-/ Dreiergruppe, oder weniger spannende Dinge erledigt wie Sortieren, Aufräumen, Putzen. Gehört halt dazu.)
      Dass sie in der Freizeit mit Gleichgesinnten zusammen arbeitet, auf Treffen geht, sich dort austauscht, Kritiken annimmt, und auch von den Praktikumsstellen durchweg positives Feedback bekommen hat, zählt nicht.
      Es wird bei Verweigerung in Zukunft Verwarnungen geben, welche natürlich dem Arbeitsamt weiter geleitet werden, schließlich zahlen die ja die BvB.
      Ach, es ist zum Heulen.

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