Ein schöner Tag

Ich hatte ja erzählt, dass sich meine Tochter nun gezwungenermaßen selbst um ein Praktikum bemüht hat, und gestern war der Probearbeitstag.

Was soll ich sagen? Nach acht Stunden Arbeit holte ich eine glückliche und zufriedene junge Dame ab, die erzählte und erzählte, während sie zwar erschöpft, aber dennoch hell übers ganze Gesicht strahlte.

Sie hatte was zu tun, sie wurde gefordert, sie wurde geprüft (so kleine indirekte „Tests“, wie sie mit Kritik und sogar Frust umgehen kann, nichts Böses, nur so nebenbei zum Kennenlernen), die Chefin war ihr gegenüber sehr offen, „Mama, die redet sogar noch schneller als ich, wenn ich aufgeregt bin“ *kicher*, und ganz nebenbei kam in einem Gespräch das Thema Autismus zur Sprache. Kurz und ohne irgendeiner Bewertung.

Nun ist es so, dass heute noch jemand zum Probearbeiten kommt, und am Montag soll meine Tochter anrufen, um zu erfahren, ob das mit dem Praktikum klappt.

Mein Mutterherz ist unruhiger als das meiner Tochter, ich bete und hoffe, dass das klappt! Wird ein gruseliges Wochenende für mich, denn im Hinterkopf habe ich immer noch das Gespräch von Montag, welches wie ein Schatten über uns liegt.

Dazu haben wir am Mittwoch die „Leistungs- und Verhaltensbeurteilung“ zum Ende der Grundstufe der BvB bekommen. Dort habe ich nun alles schwarz … nein … blau auf weiß, was meine Tochter alles nicht kann und nicht erledigt, und welcher Förderbedarf sich daraus ergibt. Nicht zuletzt die Forderung, eine „zeitnahe therapeutische Maßnahme“ in Anspruch zu nehmen. Zudem sind dort Dinge aufgeführt, die definitiv nicht der Wahrheit entsprechen… Aber so weit möchte ich gar nicht ausholen.

Parallel dazu wurde eine Eingliederungsvereinbarung von der Agentur für Arbeit ausgestellt, die wir Eltern unterschreiben müssen. Und damit tu‘ ich mir wirklich schwer.

Darin ist nämlich formuliert, dass es von der Agentur für Arbeit nur Unterstützung in Form der „Kostenübernahme einer überbetrieblichen Ausbildung … in einem BerufsBildungsWerk“ gibt, in einem Beruf, den meine Tochter nicht machen möchte, oder „Kostenübernahme einer überbetrieblichen Ausbildung … in einem auswärtigen (!) BerufsBildungsWerk mit Internatsunterbringung„, da es für den Wunschberuf meiner Tochter keine Angebote in unserer Stadt gibt.

Nicht einmal die Alternative „BerufsFörderZentrum“, in dem meine Tochter ein Praktikum gemacht hatte, ist aufgeführt. (Allerdings wird dort nach eigener Aussage die Berufsbegleiterin nochmal nachfragen – haha.)

Das heißt also, wenn meine Tochter selbst eine betriebliche Ausbildung, sprich 1. Arbeitsmarkt, finden sollte, wird sie „fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel“? (RW)

Ist das zu fassen?

Ist das rechtens?

Ist das nicht Erpressung? („Wir unterstützen Sie nur, wenn Sie dort hingehen, wo wir es für richtig halten!“)

So sehr ich mich für meine Tochter freue, gestern einen so guten Tag gehabt zu haben, und ihr natürlich die Daumen drücke, dort ein Prakltikum machen zu dürfen, so sehr gerate ich in meine fassungslose Handlungsstarre. Sämtliche Gesetzesbrocken und Paragraphen schwirren mir durch den Kopf, aber ich bin weder Anwalt noch sonst irgendein „Profi“.

Nun ja, warte ich erst einmal die Entscheidung am Montag ab. Oder so…

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Eine Antwort zu Ein schöner Tag

  1. perfecty me schreibt:

    Der Probetag ist schon mal gut verlaufen, Ich drücke alle Daumen

    Gefällt 1 Person

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