Erstens kommt es anders…

 

… zweitens als man denkt.

Das Praktikum wurde vergangenen Montag angebrochen.

Meiner Tochter war es wichtig, in meiner Begleitung noch einmal zur Chefin zu fahren, um mit ihr persönlich zu sprechen. Sie selbst.

Aber die Chefin sagte dann von sich aus, dass sie es selbst beendet hätte, denn die Chemie stimme einfach nicht, und so könne man nicht zusammen arbeiten. Das kam zwar völlig unerwartet, aber unterstreicht natürlich unsere Wahrnehmungen, was es die Sache etwas leichter macht.

Als wir wieder zu Hause waren, rief ich die Seminarleiterin der BvB an, um ihr den Stand der Dinge mitzuteilen. Ihre Reaktion war noch einigermaßen ok, kündigte aber an, dass sie mit der JobCoachIn sprechen würde, was ja auch Sinn der Sache war.

Keine 20 Minuten später rief diese an. An diesem Vormittag hatte sie zufällig bei der Chefin angerufen, um sich nach meiner Tochter zu erkundigen, und erfuhr dann eben, dass das Praktikum beendet wurde, auf beidseitigem (!) Übereinkommen, die Gespräche hatten sich also überschnitten… So what… Allerdings war sie wohl sehr angegiftet, sie erwarte, dass sie sofort von allem in Kenntnis gesetzt würde, bevor ein Teilnehmer hier irgendwas entscheidet… Sie sei ja schließlich die Bildungsbegleiterin…

Und es kam, was kommen musste: Der „Beweis“, dass meine Tochter nix taugt auf dem 1. Arbeitsmarkt. Dass es aufgrund der fehlenden Chemie nicht funktioniert hat, was immer mal sein kann, war nicht relevant. Meine Tochter habe zu lernen, wie man Kritik umgeht, adäquat darauf reagiert, das Praktikum hätte sie ja dennoch durchziehen können, auch wenn man mit jemandem nicht so gut zu Recht kommt… Nochmal: Die Chefin hätte es eh beendet! Egal. Tut nichts zur Sache. Es fielen noch Worte wie „Therapie“, „anpassen“, „aushalten“… Die selbe Platte wie schon so oft…

Am Dienstag dann bat die JobCoachIn meine Tochter zum Gespräch, um sich auch von ihr selbst nochmal alles berichten zu lassen. Auch wieder das Selbe. Inhaltlich nichts Neues. Aber dann kam ein Punkt, der mir jetzt echt zu weit geht:

Meiner Tochter wurde untersagt, zukünftig selbst nach Praktikumsplätzen zu suchen.

So. Nochmal zurück gespult: „Natürlich werde ich mich nicht um Praktikumsplätze bemühen, weil ich C. nicht auf dem 1. AM sehe!“ Das war die Aussage beim Elterngespräch Anfang des Jahres.

Unterm Strich bringt das alles also gar nix. Die Versprechungen beim Infoabend vor Start der BvB wurden nicht eingehalten, meine Erwartungen absolut nicht erfüllt.

Abbrechen möchte meine Tochter die BvB aber auch nicht. Sie will das durchziehen. Außerdem auch ihre dort gewonnene Freundin nicht im Stich lassen, der geht es nämlich auch nicht besser. Jedem werden seine Defizite unter die Nase gerieben, es wird Druck aufgebaut und eingeschüchtert. Schade eigentlich. Denn eigentlich hatte ich mich von der Atmosphäre her sehr wohl gefühlt in diesem Haus, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Autisten fit für die Arbeitswelt zu machen, und das nicht zwangsläufig nur für Behindertenwerkstätten oder ähnliche Einrichtungen.

So unterscheidet sich wohl also Theorie und Praxis. Gut gemeinter Plan, der mit der Realität nichts zu tun hat. Mitarbeiter, die ihre „Kenntnisse“ vielleicht an einem Nebenbei-Wochenend-Seminar erworben haben… Ja, ich bin wütend. Ich bin wütend, weil sie einem wieder einmal nicht zuhören. Weil das wieder Auswirkungen auf die Lebensqualität meiner Tochter hat, die sich in den drei Jahren zuvor so sehr verbessert hatte, allein durch Menschen, die ihr entgegen gekommen waren, bis sie selbst wieder erkannte, was in ihr steckt…

Jetzt erstmal durchatmen… Mal sehen, was noch alles kommt.

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3 Antworten zu Erstens kommt es anders…

  1. perfecty me schreibt:

    Das gibt es doch nicht..das tut mir sehr leid für sie. Und gleich immer Behindertenwerkstatt. Die sind daran gebunden den ersten Arbeitsmarkt anzupeilen sogar mit Arbeitsassistenz § 8 Bildungsgesetz

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  2. Daniel Rehbein schreibt:

    Das ist ja wirklich eine unglückliche Wendung. Nach der letzten Beschreibung, daß die Chef zwar sehr impulsiv und aufbrausend ist, aber dabei nicht verletzend und nicht persönlich angreifend, hatte ich angenommen, daß die Chemie grundsätzlich stimmt – Daß sich beide Seiten schlichtweg mal zusammenraufen müssen.

    Jetzt heißt die Devise: „Nicht entmutigen lassen!“. Wenn die anderen schon nicht an einen glauben, dann muß man umso mehr zu sich selbst stehen und an sich selbst glauben. Sturheit und Starrsinn können durchaus auch positive Eigenschaften sein, man nennt sie dann Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen.

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