Ob sich jetzt was ändert?

 

Letzten Montag hatten wir Eltern wieder ein Gespräch in der BvB-Einrichtung meiner Tochter. Inhalt sollte sein, wie es nun weiter gehen soll zwecks Ausbildung usw.

Eigentlich hatte ich mich auf eine Kampfansage vorbereitet, mit allen Argumenten, die mir seit Wochen und Monaten durch den Kopf gehen, ich erwartete eine ähnlich aggressive Stimmung seitens der Seminarleiterin wie beim letzten Gespräch. Auch diesmal war mein Mann dabei, alleine geh ich da nicht mehr hin.

Offensichtlich kam ich aber schon mit einer solchen Energie in das Besprechungszimmer, dass wir von der Seminarleiterin und der Bildungsbegleiterin sehr höflich *hust* und freundlich *räusper* begrüßt wurden. Ich werde da ja inzwischen sehr misstrauisch, wenn ich Menschen bereits anders erlebt habe.

Jedenfalls ging es natürlich wieder um das Fehlverhalten meiner Tochter, und man ist nun der Meinung, dass sie nicht ausbildungsreif ist. Also, so gar nicht. Deshalb waren deren Vorschläge, meine Tochter könne noch einmal ein Jahr zur Schule gehen, um evtl. den Realschulabschluss nachzuholen (einen Satz zuvor hieß es allerdings, dass sie mit der Berufsschule völlig überfordert wäre!), oder aber:

Werkstatt.

Mir blieb die Sprache weg. Ernsthaft. Mit allem hatte ich gerechnet. Aber damit?

Ich fragte dann mal sehr provokant, welche positiven Fortschritte sie denn an meiner Tochter beobachten konnten, denn dieses immerzu Negative konnte ich kaum mehr ertragen. Die Seminarleiterin geriet ins Stocken und musste ziemlich lange überlegen, um dann zu sagen, dass meine Tochter Sozialkontakte geknüpft und Freunde gefunden habe.

Ach. Aber das ist mit Sicherheit nicht deren Verdienst.

Mein Mann fragte, wie es denn nun mit Praktika aussehe, denn im Juni/ Juli kommt der große Block, ob denn die Bildungsbegleiterin mal was suchen würde, oder ob unsere Tochter das allein machen müsse. Als Antwort kam ein überfreundliches „Selbstverständlich darf sie selbst nach Praktikumsplätzen suchen. Sie kann sich dann jederzeit an mich wenden!“ Boah, nee…

Am Ende,  um das alles mal abzukürzen, gingen wir halb frustriert, halb belustigt wieder raus. Mir war nun endgültig klar, dass meine Worte auf keinen fruchtbaren Boden fallen werden, nicht verstanden wird, warum meine Tochter immer patziger wird, und absolut demotiviert. Die Verbindung bekommen die dort nicht hin.

Am nächsten Tag hatte ich dann ein äußerst interessantes Telefonat mit der Berufsberaterin meiner Tochter aus der Reha-Stelle des Arbeitsamtes. Ich fragte erst einmal, wie das denn so sei, ob eine Bildungsbegleiterin verweigern dürfe, Praktikumsplätze auf dem 1. Arbeitsmarkt zu suchen, und dies dann obendrein noch der Teilnehmerin zu untersagen.

Völlig verdutzt fragte die Berufsberaterin nach, wie ich darauf käme, und so erzählte ich nach und nach die Erlebnisse der letzten sieben Monate.

Das alles wird nun aufgenommen und an die Kollegin, die zur Beratung der BvB-Einrichtung zuständig ist, weiter geleitet, denn so ginge das auf keinen Fall. Und ob denn andere Teilnehmer auch Probleme hätten, was ich bejahte. Diese mögen doch bitte auch Berichte verfassen und ihr zukommen lassen. Das wird nun ein Selbstläufer. Das muss wohl jetzt so sein.

Meiner Tochter erzählte ich davon, drei Berichte sind schon fertig, die werde ich Mitte dieser Woche als gesammelte Werke einreichen.

Und nun schauen wir, was passiert.

Nachtrag:

Auf den Kommentar, meiner Tochter wurde die Werkstatt empfohlen, meinte die Berufsberaterin der Reha-Stelle, dass das ja schon gar  nicht mehr möglich sei. Werkstatt würde bedeuten, dass jemand weniger als drei Stunden arbeitsfähig wäre, und dies müsste erst einmal von einem Amtsarzt bestätigt werden. Meine Tochter habe ja aber bereits Praktika gemacht, bei denen sie sechs bis acht Stunden gearbeitet hat, was zwar anstrengend, aber machbar war.

Sollte meine Tochter einen Ausbildungsplatz finden, sollen wir zu ihr kommen und dann beantragen wir eine Ausbildungsassistenz, die nach Bedarf eingesetzt werden kann.

Alternativ gäbe es noch die Möglichkeit, ein Berufsvorbereitungsjahr in einer Berufsschule „Texitiltechnik“ zu machen, in der sowohl Theorie, Praxis und externe Praktika angeboten werden.

 

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4 Antworten zu Ob sich jetzt was ändert?

  1. Anita schreibt:

    Na dann 🙂 Ich drücke Deiner Tochter und allen Anderen, die von dieser Dame betroffen sind ganz viel Energie 🙂

    Das sich da schnellstmöglich was ändert!

    Unser Gefühl, irgendwo falsch zu sein, ist meist richtig. Und die Einschätzung warum, meist auch!! ❤

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  2. perfecty me schreibt:

    Ich wünsche weiterhin viel Glück..ich kann mir vorstellen das es sehr seltsam ist wenn plötzlich jemand , der eigentlich immer auf Konfrontation aus war, plötzlich so milde gestimmt ist. Und richtig da ist meistens was faul ( selbiges hatten wir hier auch). Ich finde es gut dass es jetzt mal Druck von oben gibt. Schließlich sind diese für Jugendliche zuständig , vor allem für den 1. Arbeitsmarkt vorrangig. Ich drücke weiterhin die Daumen

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