Vollkommene Leere

 

Leere in mir.

Nichts ist mehr da.

Stille.

Kein Fünkchen Gefühl.

*Der Badewannenstöpsel wurde raus gezogen und das ganze Wasser ist davon geflossen.*

Der gestrige Termin in der Förder-Berufsschule war anstrengend für mich, aber meiner Tochter verlangte er alles ab. Bereits nach zwei Minuten, in denen wir warten mussten, bis wir vom dortigen Schulsozialarbeiter ins Zimmer gebeten wurden, fing meine Tochter an zu beben, wollte raus, wieder nach Hause. Ich bat sie, dem Ganzen eine Chance zu geben, ihr wird nichts passieren, und es wird hier und heute auch nichts entschieden, schon gar  nicht gegen ihren Willen. Ich bin da, ich passe auf sie auf.

Das Gespräch verlief an sich auch gut, es kam noch die Schulleiterin dazu, und später durften wir sogar eine der zuständigen Lehrerinnen kennen lernen, die Räume ansehen.

Auch wollten sie nichts falsch machen, ob wir denn einverstanden wären, einen Schulbegleiter zu beantragen, denn damit haben sie gute Erfahrungen gemacht…

Am Ende boten sie meiner Tochter einen Schnuppertag an, an dem sie ein paar Stunden kommen und sich alles ansehen könne.

Also alles in allem sehr vernünftig.

Aber meine Tochter sprach kaum ein Wort. Ich merkte, wie es ihr immer schlechter ging, auch die Leute dort beobachteten das, nahmen Abstand und waren sehr rücksichtsvoll.

Nach einer guten Stunde fuhren wir wieder nach Hause, waren erschöpft, meine Tochter legte sich schlafen. Ich weiß, dass ich eine Zeit lang warten muss, bis ich sie fragen kann, was sie von all dem hält. Wir sprachen gestern gar nicht mehr darüber.

Heute Morgen, auf dem Weg in ihre BvB-Einrichtung, sagte sie, sie geht da nicht hin. Sie wird dieses Gebäude nicht wieder betreten. Und wie oft sie noch sagen soll, dass sie von all dem Sch*** nichts mehr hören will.

(Es ist ein riesiges Schulgebäude, sehr hell, weitläufig… aber eben ein Schul-Gebäude. Erinnerungen wurden geweckt und legten die Wunden offen. Nennt man das posttraumatische Belastungsstörung?)

Ich brach innerlich genau in diesem Moment auseinander. Wie ein Fass, dessen Ringe außenrum entfernt wurden.

Auf meinem Heimweg heute beobachtete ich eine Mutter, die ihr Baby trug, ich wünschte ihr in Gedanken ein schönes Leben mit diesem kostbaren Wesen… Trauer keimte in mir auf, um sofort in der Unendlichkeit zu verschwinden.

Leere.

Leere in mir.

Nichts ist mehr da.

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3 Antworten zu Vollkommene Leere

  1. perfecty me schreibt:

    ❤ die Reaktion deiner Tochter kenne ich von meinem Sohn 😦

    Gefällt mir

  2. AnnaB schreibt:

    Ich würde dich so gerne trösten. Das macht man meist mit einem Ratschlag zusammen. Das hab ich leider nicht für dich. Ja, auch mir gehts so. Leer und keine Kraft mehr. War in Reha, danach gings wieder etwas. Schon verrückt…das eigentliche Problem ist das Umfeld, das unsere Kinder und uns selbst enorm erschöpft.

    Gefällt 1 Person

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