Bewusst-Sein

 

Ich bin gestern nicht mehr aus dem Haus gekommen, um das zu erledigen, was ich erledigen wollte/ sollte. Am Nachmittag hab ich fast drei Stunden geschlafen. Ich war fertig mit der Welt, und sauer. Richtig sauer. Und das muss nun wohl so sein, damit ich wieder klar denken kann, um endlich was zu tun.

Leider hatte mein Nicht-Können von gestern zur Folge, dass ich heute wirklich gehen musste, weil mein Sohn sonst Ärger bekommt. Wir also vereinbart, ich hol‘ das Ding, wir treffen uns an der Schule, und gut.

Eine Stunde hatte ich für die Wege eingeplant, sollte reichen. Natürlich war ich schneller, und somit zu früh. Diese Zeit nahm ich mir aber dann ganz bewusst, um in mich hinein zu horchen. Was geht da in mir vor?

Und mit jedem Meter, den ich voran kam, mit jedem Atemzug, der durch mich durch ging, dämmerte es mir, wurde es deutlicher…

Die Vorbereitung: Zeit und Ablauf. Immer wieder. Ein Fetzen meines Tages, der vor allem vormittags immer gleich aussieht, muss bewusst gestaltet werden. Angst, dass ich zu spät komme, oder etwas Unvorhersehbares passiert. Hoffen, dass alles nach Plan verläuft.

Die Aktion: Ich muss mich von meinen Routinen lösen, um tun zu können, was ich tun muss. Da ist es wieder, das Muss. Wenn ich dann unterwegs bin, werden meine Gedanken sehr laut. Zu Hause der Hund, dem es im Moment nicht gut geht. Zwei wichtige Termine im Oktober mit meiner Tochter. Zwei Telefonate, die ich noch führen muss, Schreiben, die ich anfordern muss…

Die Wahrnehmung: Es geht Wind. Die mittlerweile herbstlichen Blätter rascheln sehr laut. Die Autos, die an mir vorbei fahren, irritieren meinen Blick, der auf den Weg gerichtet ist. Die tiefstehende Sonne schmerzt in den Augen, obwohl ich eh schon eine Brille mit abgedunkelten Gläsern habe. Und – und das wurde mir dann heute so richtig bewusst: Menschen, die an mir vorbei gehen, plötzlich von hinten oder ums Eck auftauchen, erschrecken mich. Vielleicht sieht man mir das auch an, keine Ahnung, jedenfalls kommt dann das unangenehme Gefühl dazu, alle würden mich anstarren. Ich will aber nicht gesehen werden. Wo ist der Harry-Potter-Umhang, der einen unsichtbar macht!?

Gedanken – Zeit – Plan – Menschen – Außenreize.

Schönen Dank auch!

Und mir reicht’s jetzt wirklich!

Gestern hatte ich meinen Mann gebeten, mich ab heute an meine Tabletten zu erinnern, die ich bekommen habe. Ab heute, weil mein Mann dann tagsüber da ist, und mich unter Beobachtung hat. Allein sein trau‘ ich mich damit nicht. Noch nicht. Ich weiß nicht, wie sie wirken. Nehmen muss ich sie erstmal nur abends, in der Hoffnung, zum Schlafen entspannter zu werden, was sich dann hoffentlich auf den Tag auswirkt.

Ich komme immer wieder darauf zurück, dass ich diesen Dauernebel im Hirn durchleuchten muss, mir über mich selbst bewusst werden muss, um endlich anzukommen und sein zu dürfen. Und auch letztendlich glauben zu können, dass ich sein darf, so wie ich bin, ohne wenn und aber. Das ist noch ziemlich schwer für mich. Der Glaube.

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