So viel, so nah, so neu…

 

Zur Zeit scheine ich besonders empfänglich für Emotionen aller Art zu sein. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass das an den Tabletten liegt, denn ich nehme sie erst seit drei Tagen, aber wer weiß, ist eigentlich auch egal.

Wenn ich so durch die Bloggerwelt streife, denke ich viel nach. Über diese Person, über andere, die Kommentare hinterlassen, und natürlich über mich. Über meine Erlebnisse, meine Gefühle, meine Meinungen, meine Entwicklung.

Dabei werde ich dann schon mal ganz rührselig, ein Lächeln huscht über mein Gesicht, ein Tränchen kullert mir über die Wange.

Eine Bloggerin hat es mir seit einiger Zeit besonders angetan. Immer nehme ich mir eines ihrer Themen vor, bin natürlich noch lange nicht durch, manches lese ich auch öfter. Sie fesselt mich. Gnadenlos offen und respektvoll ehrlich. Ich hab‘ mich regelrecht in sie… öhm… in ihre Texte 😉 verliebt. (Die Arme weiß sicher gar nichts davon, ich will ihr aber nicht zu nahe treten, außerdem bin ich doch schüchtern. – Poste ich hier und frage mich, ob das zusammenpasst. Naja. Sei’s drum.)

Nicht, weil ihr Geschriebenes so schön ist im Sinne von „Schmetterlinge und Bienchen und Blümchen“. Nein. Sie erscheint mir warmherzig, berührt mich, und ich habe das Gefühl, mein eingepferchter Brustkorb springt auf und lässt mein Seelchen einen ungetrübten Blick nach draußen werfen.

Letzte Nacht konnte ich ewig nicht einschlafen. Ich lag mit meinem Schmatzphone (ich nenn‘ das Ding immer noch Handy :-/ ) im Bett, stand wieder auf um eine zu rauchen mit dem Ziel, danach endlich zu schlafen, nur, um dann doch weiter zu lesen, und zu lesen, eine zu rauchen, und wieder zu lesen… Schlaf wird völlig überbewertet. 😀

Eigentlich war ich wirklich müde, da wir am Tag zuvor bei einer Freundin eingeladen waren, wo ich einer Bekannten mit ihrem kleinen Hund helfen sollte. Solche Aufgaben verlangen mir so ziemlich alles ab, da ich als „Dolmetscher“ zwischen Mensch und Hund alle Sinne komplett offen habe. Obwohl ich wirklich liebe was ich tue, oder vielleicht gerade deshalb, und es meine absolute Herzensangelegenheit ist, bin ich danach fix und alle. Auch danach hallen diese Termine in meinen Gedanken noch lange nach.

Vor allem beschäftigte mich gestern dann auf der Heimfahrt die Tatsache, dass ich, wenn es um Hunde geht, offen und frei agieren kann, ohne Angst, mich lächerlich zu machen, egal, wer mir dabei zusieht.

Im Alltag aber möcht‘ ich gerne unsichtbar sein, will keinen belästigen, niemanden stören, mich nicht blamieren.

Ich sprach sogar mit meinem Mann darüber, und seine Antwort bewegte mich doch sehr (er ist nämlich nicht wirklich der große Redner): „Naja“, meinte er, „DAS ist deine Welt. Darin bist du richtig gut. Da bist DU diejenige, die anderen etwas beibringen kann. Und man sieht dir deine Freude an, wenn andere Erfolg haben. Das bist du!“

Das war wirklich schön zu hören. Von ihm!

Dass ich im Alltag meine Defizite mitbringe, die mich zugegebenermaßen manchmal wirklich nerven, weil sie mich doch oft einschränken und auch andere hin und wieder darunter „leiden“ müssen, wurde dabei völlig nebensächlich. Ich genieße dieses Gefühl jetzt einfach mal – und passe auf, dass ich nicht wieder in die Angst verfalle, das könnte überheblich oder eingebildet wirken.

Auch habe ich ein wenig Energie gewonnen, mich einem weiteren Kapitel meines Lebens zu stellen.

Vor etwa zwei Wochen geriet ich in einem Gespräch mit meinem Bruder in einen Flashback. Wir redeten viel in den letzten Monaten. Er ist der letzte Mensch, der mir aus meiner Kindheit übrig geblieben ist.

Er bestätigte mich letztendlich auch in der Autismus-Diagnostik, und gemeinsam puzzeln wir so vor uns hin. Aufarbeitung. Erinnerungen.

Aber das wird ein anders Thema.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu So viel, so nah, so neu…

  1. JanJan schreibt:

    Kann ich mich in vielen Sachen selbst wiederfinden.

    Gefällt 1 Person

  2. Luise Kakadu schreibt:

    Vor sich hin puzzeln…. – das gefällt mir irgendwie.
    Beim Puzzeln vergißt man alles andere um sich.
    Und man freut sich bei jedem Teil, das paßt.

    Es geht beim Puzzeln nicht darum, das fertige Bild zu haben – sondern um das Puzzeln selbst.
    Die Fokusierung; die Freude; das bei sich selbst sein.
    Am Ende, wenn das Bild fertig ist, freut man sich KURZ – nur, um dann ein neues Puzzle rauszuholen und von Neuem zu beginnen.
    So ist das wohl, mit der Suche nach sich selbst.
    Und ja – so kann es Freude machen, obwohl es manchmal schwer, anstrengend und mühsam ist.
    🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s