Wenn das Innen bröckelt

 

 

Zur Zeit geht es mir wirklich scheiße. Sorry, aber was soll ich schöne Worte dafür suchen…

Das Gedöns mit der Schulpflicht meiner Tochter ist noch nicht ganz vom Tisch. Sie wurde nun, weil sie das BVJ in der Textiltechnik-Klasse einfach nicht machen kann, in die sogenannte „Jungarbeiter-Klasse“ umgemeldet. Dort gehen Jugendliche hin, die nichts haben. Keine Ausbildung, keine weiterführende Schule, usw. Sie sitzen dort ihre Berufsschulpflicht ab.

Da meine Tochter ja kein Schulgebäude betreten kann, ist das natürlich erst recht nichts. Das Klientel ist halt dementsprechend… Ich will mich aber nicht darüber auslassen.

Jedenfalls sind das alles offizielle Pro-Forma-Sachen, weshalb ich ein Schreiben der Schule bekommen habe, von wegen „Bei unentschuldigtem Fehlen muss dies der Bußgeldstelle angezeigt werden“. Weiß ich ja.

Leider kommt nun das ganze Ämter-Handling auf mich zu, weshalb ich morgen ein Telefonat mit der neuen Klassenlehrerin führen muss, zudem noch auf den Bericht der Psychiaterin warte, um schließlich im zuständigen Referat den Deckel auf den Antrag zum „Ruhen der Berufsschulpflicht aufgrund eines Härtefalls“ machen zu können.

Geklärt ist ja alles, aber eben noch nicht schriftlich im Bescheid festgehalten. Und so lange das nicht der Fall ist, lauf ich hier Amok.

Dann habe ich heute mit einer Tante telefoniert. Sie ist eigentlich noch die Einzige, die sich bei mir meldet, obwohl ich eine große, sehr liebe Familie mütterlicherseits habe, aber allen anderen scheine ich nicht (mehr) wichtig.

Einer meiner Onkels tritt nun seinen letzten Gang an – die Ärzte geben ihm noch max. drei Monate. Das Selbe wie bei meiner Mutter: Bauchspeicheldrüse. Dieser Onkel war auch immer schon auffällig anders, mit Hang zu Depressionen und ein „seltsamer Mann“ mit künstlerischen Fähigkeiten. Obwohl wir kein enges Verhältnis hatten, mochte ich ihn doch recht gern.

Noch mehr kommt mir aber wieder mein Cousin, sein Sohn, in den Sinn. Er ist drei Jahre (glaube ich) jünger als ich, hatte immer schon Schwierigkeiten im Leben, war in einer betreuten WG, wo er nicht klar kam, versuchte es in einer eigenen Wohnung… Den genauen Verlauf und die Hintergründe weiß ich leider nicht, aber nun ist er Rentner. Nichts arbeitsfähig. Mit nicht mal 40.

Gefühlsmäßig stand ich ihm immer sehr nah. Wir waren die Zwei, die bei Familienfeiern relativ still am Rande saßen und das Geschehen beobachteten, nie so wirklich Anschluss fanden, uns mit wenigen Worten verstanden. Leider meldete er sich auf meinen Kontaktversuch per E-Mail nie, aber es lässt mir keine Ruhe. Habe meine Tante heute gebeten, ggf. meine andere Tante, seine Mutter, zu bitten sich zu melden.

Noch ein langes Telefonat mit einer guten Bekannten, die mir erzählte, was in den letzten drei Monaten so passiert ist. Was die schon alles durch und mitgemacht hat, das reicht für vier Leben. Ihr zuzuhören ist immer wieder schockierend aber gleichermaßen bewundernswert. Sie sollte endlich ein Buch schreiben. Eine tolle Frau.

Eine langjährige Bekannte berichtete mir dann heute völlig aufgelöst, dass ihr Freund einen Unfall hatte und ins Krankenhaus kam, sie aber die Strecke zu ihm nicht bewältigen könne… Sie leidet sehr unter ihren Ängsten, und sie liebt diesen Mann wirklich sehr.

Mein Jüngster ist z.Zt. auch „weder Fisch noch Fleisch“. Impulsiv, aggressiv, zerbrechlich und weinen… Blödes Alter so mit fast 16, wohl wissend, auch „aus der Reihe zu tanzen“, wenn man Gleichaltrige so ansieht.

Wir wollen unseren Telefonanbieter wechseln. Ich hatte ganz mutig alles in die Wege geleitet, aber wieso sollte ich mal alles so einfach hinbekommen wie andere auch. „Einfach kann ja jeder.“ So musste ich heute nochmal da anrufen und was klären. Wo ich doch telefonieren so liebe. *örgs*

Mein Kopf ist so überflutet, meine Gefühle überschlagen sich. Ich will nicht mehr. Ich will nicht mehr können. Ich will nicht mehr müssen. All das an einem Tag. Morgen geht es weiter.

Wollte mich mit einer Freundin treffen, mit einem Freund telefonieren, etwas tun, was ich gerne tu’…

Aber ich bin ausgelaugt und höchst sensibilisiert, auf das, was noch kommen mag. Bin traurig, denn obwohl sich Leute nach mir erkundigen (mein Zustand bahnte sich ja schon vor ein paar Tagen an), fühle ich mich so allein, fast schon einsam. Weil mir da niemand helfen kann. Nicht wirklich. Mein Brustkorb schmerzt, das Atmen fällt schwer. Komisch das alles, lässt sich nicht benennen, ist nur da.

Und dann habe ich einen Artikel gelesen, mal wieder einen, in dem es hieß, Autisten könnten schwer mitfühlen oder überhaupt starke Gefühle empfinden. Da werde ich so wütend… Wenn es denn in solchen Situationen nur so wäre! Was würde ich darum geben, nichts zu fühlen in solchen Momenten, weil es mir so viel nimmt.

Abschließend kam meine Tochter, sagte kein Wort, nahm mich in den Arm. So viel dazu. ^^

 

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2 Antworten zu Wenn das Innen bröckelt

  1. perfeclty me schreibt:

    ❤ manchmal helfen Worte nicht , aber ich verstehe dich

    Gefällt 2 Personen

  2. aspiemom schreibt:

    ))hug(( ❤

    Gefällt 1 Person

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