Schreibblockade und ein mieses Gefühl

 

Puh!

Endlich hat mich der Alltag wieder – oder ich ihn!

Mann geht wieder arbeiten. Nach zehn Tagen „Dauer-Daheim“!

Ist das nicht gemein, so zu denken!?

Zu sagen, dass es mir nach ein paar Tagen reicht?

Er hat sich seinen Urlaub als „Familien-Ernährer“ ja schließlich mehr als verdient.

Bis zum 3. Januar etwa ging es noch. Erst Silvester, dann der Geburtstag unseres Jüngsten, der sich aber mit Kumpels ins Kino verabschiedet hat, und uns mit seinen 16 Jahren eh kaum mehr braucht, aber ab da hätte ich gerne meinen normalen Tagesablauf wieder.

Die Kids sind dabei nicht das Problem. Jeder hat sein Zimmer, und wir leben hier eher wie in einer WG; jeder macht so sein Ding, man trifft sich ab und zu zum gemeinsamen Essen in der Küche (oder auch nicht), führt nette Gespräche (oder auch nicht), „besucht“ den Anderen mal in seinem Zimmer um zu sehen, was der gerade so macht (oder auch nicht)… 😉 Finde ich total in Ordnung. Da fällt es auch nicht wirklich ins Gewicht, ob Ferien sind oder nicht.

Aber mit meinem Mann teile ich die Räumlichkeiten, und ich bin zumeist diejenige, die ihm in Allem den Vortritt lässt.

Normalerweise beginnt mein Tag immer gleich: Kurzer Gang ins Bad – Kaffee, Kippe, Kuscheldecke => Balkon. Währenddessen lasse ich den PC hochfahren, um anschließend auf meinen eh schon sehr wenigen Seiten nach Neuigkeiten zu schauen. Zweiter Balkon-Besuch, wieder ein Gang ins Bad, um mich für den Spaziergang mit Wuff fertig zu machen. Anschließend meistens Telefonieren mit meiner Freundin, mit nebenbei PC, Kaffee, Kippe, Haushalt… So vergehen meine Vormittage in völliger Entspanntheit, und dass ich meinen Lieben hier zu Hause immer wieder alles Mögliche hinterher räumen muss, regt mich zwar ab und zu auf, aber ist halt so. Passt schon. Ich kann doch irgendwie mit allem leben, so lange ich durch meinen Mann den Luxus genießen kann, nicht einkaufen und nur selten kochen zu müssen.

Und genau hier hakt es. Wenn er Urlaub hat, ist er derjenige, der den PC anmacht. Dann kann ich mich natürlich nicht dreist einfach davor setzen. Also lese ich mit dem Handy, schreiben tu‘ ich damit allerdings nur kurz, weil mir die Tastatur für längere Texte lieber ist. Habe ich dann etwas im Kopf, was ich bspw. gerne irgendwo antworten würde, oder zu einem Blog selbst was verfassen möchte, kann ich das mal dezent knicken. Ich frage ihn nicht, ob ich mal an den PC kann. Denn er ist ja dann um mich herum, setzt sich vor den Fernseher, geht selbst eine rauchen… Wir haben ja nur das Wohnzimmer. Oder die Küche, die dann zu meinem Hauptaufenthaltsort wird.

Aber es wird kritisch. Jede Kleinigkeit wird für mich riesengroß. Jedes liegengelassene Teil, jede nicht fertige Aktion… Abspülen. Ist ja nett, dass mein Mann das auch macht. Aber warum leert man dann nicht das Spülbecken und macht es sauber? Warum lässt man abgetrocknete Tassen, Teller, Schüsseln auf dem Tisch stehen, anstatt sie in den Schrank zu räumen? Kochen. Warum bleiben die Gewürze draußen stehen? Warum muss man sich auf komplett drei Metern Küchenzeile so dermaßen ausbreiten, dass man denkt, hier hat eine Feiner mit 20 Leuten stattgefunden?

Alles bohrt sich in meinen Kopf. Wie Nadeln in einer Voodoopuppe stecken sie in mir und schmerzen bei jedem Atemzug. Und dann wird die pure Anwesenheit unerträglich. Jedes Atmen ist ohrenbetäubend. Jede seiner Bewegungen löst ein inneres Erdbeben aus.

Und ich laufe hier rum wie „auf rohen Eiern“. Ich falle wieder in mein erlerntes Verhalten zurück: Bloß nicht auffallen. Nur nicht stören. Auf keinen Fall etwas verlangen oder erwarten…

Und ich werde ruhiger… und ruhiger… und stiller… und stiller…

Für meine Kids ein Alarmsignal: Wow! Abstand zu Mama halten! Sie in Ruhe lassen! Und so beginnen auch sie den „Eiertanz“. Mir zuliebe.

Ist das nicht völlig bescheuert?

Ich kann beim besten Willen nicht behaupten, dass mein Mann irgendwelche Fehler macht. Er genießt doch seine Freizeit. Er geht auch gerne mal allein spazieren, wissend, dass ich nicht gerne mitgehe. Hab ich oft genug mit meinem Hund, und das lieber allein. In dieser Zeit könnte ich an den PC und schreiben. Sagt er dann auch immer ganz nett: „Jetzt haste Ruh und kannst hin!“ Süß, gell!?

Aber dann geht nichts. Eigentlich auch logisch. Zu viele Themen sind in meinem Kopf irgendwo für irgendwann „später“ abgelegt, und mit dem Wissen, dass ich nur eine begrenzte Zeit für mich bin und schreiben könnte, bremst mich zusätzlich. Ich kann nicht schreiben, wenn um mich herum jemand … ist.

Ich fühle mich so böse. So undankbar. Weil ich mich freue, dass mein Mann seit heute wieder arbeiten muss. Obwohl ich weiß, dass nur er derjenige ist, der zu mir gehört (natürlich nicht im Sinne des Besitzens). Er ist derjenige, der mich sein lässt. Natürlich versteht er Vieles nicht, aber er nimmt es entweder mit Humor, oder lässt es einfach so, ohne was verändern zu wollen. Dadurch gelingt mir Annäherung. „Lass mich laufen, und ich werde kommen!“ Ich empfinde Liebe für ihn. (Sollte auch mal ein eigenes Thema werden, muss ich nur wieder finden.) *Er vervollständigt mich!* (<=Ein Zitat aus dem Film „Jerry Maguire“, welches mich zu Tränen gerührt hat. Aber es ist uns betreffend so wahr!)

Nun sitze ich also hier, bin meinen aktuellen Gedanken-Shit los, und kann mich hoffentlich dazu motivieren, meine „Kopf-Schubladen“ zu sortieren, um noch ein paar Texte zu Papier bzw. Bildschirm zu bringen.

Euch allen einen schönen Tag!

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4 Antworten zu Schreibblockade und ein mieses Gefühl

  1. Luise Kakadu schreibt:

    Entschuldige – bei aller Ernstheit dieses Themas muß ich kichern.
    Da haben wir mal wieder genau das selbe Thema und fangen noch dazu beide mit „Puh“ an….

    Es war ein verdammt harter Weg für mich zu lernen, dass Liebe auch mal kotzig sein darf; wütend; unbequem und „böse“. Und sie dennoch Liebe bleibt.
    Und es ist schön, noch andere Menschen zu erleben, die dies ebenso können und leben.
    Offensichtlich ist eine solche Liebe gut und gesund.
    Ich wünsche dir heute viel Freude bei deinem ganz persönlichen Tagesablauf und dem Fühlen all deines Lebens.

    Gefällt 1 Person

    • sinnesstille schreibt:

      😉 Das Schmunzeln sei erlaubt, ich musste beim Korrekturlesen meines Textes sogar an Dich denken.
      Ich fühle mich heute wieder besser, auch wenn es noch etwas Zeit brauchen wird, wieder in Fahrt zu kommen.
      Aber in dieser inneren Ruhe spüre ich meine Zuneigung meinem Mann gegenüber unso deutlicher. Also hat alles doch seine Richtigkeit.

      Gefällt 2 Personen

  2. JanJan schreibt:

    Das kann ich dir vollkommen nachfühlen! Mir geht es ganz genauso und ich habe da oft ein schlechtes Gewissen, immerhin habe ich den besten Mann der Welt und den einzigen Menschen den ich überhaupt in meiner Nähe ertrage. Trotzdem brauche ich manchmal Abstand, muss mit mir allein sein.

    Gefällt 1 Person

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