Zu meinem gestrigen Blog

 

Erstmal danke, dass Ihr Euch dazu äußert, in welcher Form auch immer.

Ein persönliches Wort zu Aspiemom (sie schrieb. „Ich muss gestehen, ich war gerade wirklich schockiert, zunächst, die ersten 5-7 Sekunden, kenne ich die Bloggerin (glaube ich) inzwischen ganz gut…“)

‚tschuldigung!

Auch daran bleibe ich immer und immer wieder hängen:

„Der Druck von außen ‚er/sie muss doch funktionieren (wenn ich das schon höre). Wie soll er/sie später für sich selbst sorgen? Ihr seid doch nicht ewig da…‘ „

Und ich frage erneut:

Wenn ich einem Kind von klein auf permanent vorgebe, was es zu tun und zu lassen hat, alles bewerte und reglementiere, wie soll daraus ein selbstständiger Erwachsener werden? Selbstbestimmt wurde ja dadurch zumindest schon mal vernichtet.

Durch meine Erziehung, die dem Ganzen erschreckend nahe kommt, bin ich heute noch unsicher, ob das, was ich tue, gut oder schlecht, richtig oder falsch ist. Ich bin immer auf der Suche nach feedback: Sag was dazu! Mach ich das gut so? Ist das ok so? Soll ich was anders machen? Weil mir meine Empfindungen, mein eigenes Bauchgefühl, regelrecht genommen wurde. Es wurde als falsch oder nicht existent angesehen. Ich bilde mir das ein, ich sehe das falsch, das kann ich noch gar nicht beurteilen, dazu bin ich noch zu klein…

Oder gibt es dann, wenn man 18 ist, einen zu drückenden Knopf, und ab da funktioniert alles wie selbstverständlich? Und den hat man bei mir einfach übersehen?

Warum ist das so schwer zu begreifen, dass aus dieser Unsicherheit immer größere Ängste entstehen (können), die einem das Leben erschweren?

Und (Aussage einer Psychologin, von Aspiemom also nur zitiert!):

Autisten sind ja ab 18 austherapiert und vollwertige Mitglieder dieser Wertegemeinschaft „

Aha. Ab 18 gibt es auch nichts mehr zu lernen, oder wie? Alles, was ab 18 im Leben noch kommt, kann einen nicht mehr beeindrucken, weil man „ein vollwertiges Mitglied“ ist. Vorher war man Kaffeesatz, oder was? Ach so, ich vergaß: Das weiße Blatt Papier, was erst noch beschrieben werden muss. Wie armselig.

Im Beitrag von autismuskeepcalmandcaryon steht ein Zitat:

In der Verhaltensanalyse wird probiert die Funktion des Verhaltens für den Betroffenen zu ermitteln.“

Funktion des Verhaltens

Ein autistisches Kind reagiert im Overload mit selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten AUF etwas, dass es nicht einordnen kann und es wird nach der Funktion des Verhaltens gesucht?“

Beim Einschlafen gestern musste ich lachen, als mir dieser Satz in Dauerschleife durch den Kopf ging, weil mir dazu ein Bild einfiel:

Ich sitze in einer kalten Wohnung und zittere. Ich zieh‘ mir einen dicken Pulli über. Die Luft bleibt dennoch unangenehm, das Atmen lässt mich weiter frieren. Ich werde unleidig, quengle vor mich hin und schimpfe über die kalte Wohnung. Mir wird gesagt, ich könne mich noch zusätzlich in eine warme Decke einkuscheln, aber endlich aufhören zu nörgeln, und mich nicht so anstellen. – Ja, könnte ich machen. Aber ich könnte auch einfach das Fenster zu und die Heizung anmachen!

Ich hoffe, Ihr versteht, was ich damit unterstreichen möchte.

Ursache und Wirkung!

Symptom oder Ursache!

Und so… 😉

Und dann bekam ich doch tatsächlich per E-Mail eine Frage gestellt:

Sie sind selbst Autistin? Wie kann es dann sein, dass Sie mit Ihrer Tochter solche Probleme hatten? Gerade Sie hätten sie doch verstehen müssen, oder sprechen Sie nicht die selbe Sprache? Oder zeigt sich hier die fehlende Empathiefähigkeit, unter der Autisten leiden?

Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber es interessiert mich, wie das Muttersein bei Autistinnen funktioniert.“

Was antwortet man auf so etwas? Ja, doch, ich werde antworten. Aber auf die Schnelle wohl kaum.

Bringt mich aber auf die Idee, einen eigenen Text dazu zu bloggen.

Nur nochmal so viel – und dies hatte ich bereits geschrieben:

weil ich sie einfach nicht verstand. Weil ich bei ihr nicht weiter kam mit „So etwas tut man nicht!“ Weil sie nicht so war wie ich, die, die Erwachsene nie infrage stellte, stellen durfte…

Reicht das fürs Erste?

Fortsetzung folgt…

 

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8 Antworten zu Zu meinem gestrigen Blog

  1. autistanbord schreibt:

    Aus einer Familie kommend, in der Autismus an der Tagesordnung ist (Mindestanteil 50%/Generation), würde ich der E-Mail-Schreiberin gerne folgende Überlegung mitgeben:
    Es wäre schön, wenn es so einfach wäre, Autismuserfahrungen von Person zu Person zu übertragen. Leider hat der Spruch „Kennt man einen Autisten, kennt man genau einen Autisten“ auf sehr vielen Ebenen seine Berechtigung.
    Ich nehme mal als Beispiel den sensorischen Overload:
    Ich kann meine eigene Erfahrung nur in Grundzügen auf Familienmitglieder übertragen. Dinge, die mich komplett aus der Bahn werfen, können manche von denen Problemlos wegstecken. Die Kompensationsmechanismen der einen können die anderen in den Wahnsinn treiben. Wir haben zwar alle grundsätzlich mal Reize bei denen wir Überreagieren und Reize bei denen wir Unterreagieren, aber das sind nicht unbedingt dieselben Reize. Und da wird es dann etwa schwer. Ich kann sehen, jemand befindet sich in einer Overload-Situation. Desewgen kenne ich aber die Ursache noch nicht. Ich kann sehen, was mich an der Situation in Probleme bringen würde. Ich kann zunächst mal versuchen, diesen Punkt anzugehen, um dem anderen zu helfen. Wenn ich viel Glück habe, war’s das. Wenn ich viel Pech habe, nehme ich ihm damit gerade das letzte, was die Situation noch einigermaßen erträglich gemacht hat. Oder es macht überhaupt keinen Unterschied, weil das Problem ganz woanders liegt. Wenn nun aber z. B. der andere gerade auf einen Reiz hyper-sensitiv (zu sehr) reagiert, auf den hypo-sensitiv bin, den ich also verringert oder gar nicht wahrnahme, habe ich ein Problem… denn dann weiß ich unter Umständen gar nicht, dass das Problem existiert. Ich kann vielleicht erkennen, dass jemand sich unwohl fühlt, aber ohne Blick aufs Thermometer oder verbalen Input der anderen Person werde ich nicht auf die Idee kommen, dass er friert – weil ich Kälte schlicht nicht empfinde.
    Es ist nun daher auch unter Autisten in derselben Familie ein ewiges Durchprobieren, bis jeder seine Lösungen gefunden hat. Da sollte man auch nicht vergessen, dass mit jeder versuchten Lösung, die nicht hilft, oder die Situation noch schlechter macht, das Vertrauen des „Empfängers“ darin schwindet, dass es eine gute Lösung überhaupt gibt, und damit auch die Bereitschaft, sich auf weitere Ansätze einzulassen. Natürlich lässt man das Kind auch selbst ausprobieren, aber das gleiche gilt: Fällt es dabei zu oft „auf die Nase“, wird es weniger bereit sein, weiter zu probieren.
    Es hilft, wenn man verbal äußern kann, was genau gerade stört. Nur: mit dieser Fähigkeit werden wir nicht geboren (NTs übrigens auch nicht). Diese Dinge zu benennen muss man lernen, und das geht nicht von heute auf Morgen.
    Insofern ist zunächst mal der Hauptpunkt, den das eine autistische Familienmitglied dem anderen mitgeben kann, und zwar nicht nur in der Konstellation Mutter/Kind: „Nein, du bist nicht ‚falsch‘.“ Eine direkte problemfreie Lösung, die auf Anhieb funktioniert? Dazu bräuchten wir eine Kristallkugel.

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  2. aspiemom schreibt:

    Du hast versäumt zu erwähnen, dass ich noch dies dahinter gesetzt haben: “…. blahblahblah, wirklich? Was ein Schmarren…“ *lol*. Ich hatte just den Eindruck, als wenn Du denken würdest, ich würde genau sowas denken (das definitiv nicht der Fall ist) Mir wurde mal erzählt, dass ein gewisser Prof dies in Ansätzen vertritt, was u.a. auch dazu geführt hat, dass ABA so unter Beschuss geriet. Aber egal.

    Man kann ein Kind nicht zur Selbstständigkeit erziehen, wenn man ihm immer ‚vorkaut‘ was es zu machen hat!
    Es funktioniert nicht, dem Kind zu sagen ‚die Suppe wird mit dem Löffel gegessen und nicht mit der Gabel! Wenn Du weiterhin mit der Gabel isst, nehme ich Dir die Suppe weg!‘ (Als Beispiel). Das Kind muss Erfahrungen machen um zu ‚wachsen‘. SELBST Erfahrungen machen und diese nicht aufgezwungen bekommen.

    Auch wenn mir/und ein nahezu laissez fairer Erziehungsstil unterstellt wird, weil wir unsere Kinder zur Selbstständigkeit erzogen haben, bzw. es versucht haben (jeder Mensch ist individuell und versteht das, was wir gemacht haben, anders und wertet es für sich anders aus, somit ist diese zur Selbstständigkeit führende Erziehung sehr unterschiedlich angenommen worden, hat aber auch bei unserem Sohn Erfolge erzielt, weil: er merkte, dass wir ihm alles zutrauen! Vertrauen ist das Geheimnis!), bedeutet es nicht, dass wir keine Grenzen setzen: die Suppe wird hier definitiv NICHT mit der Gabel gegessen, es gibt einen Löffel. ABER, wenn ein Kind die Gabel ausprobieren möchte: bitte. Nur: die Suppe bleibt dem Kind, bis es entweder mit der Gabel satt geworden ist, oder doch zum Löffel greift, weil es erkannt hat, dass es doch etwas einfacher ist.

    Zu Deinem Beispiel ‚frieren und eskimomäßige Bekleidung‘: klar, diese Schlussfolgerung ‚Fenster schließen, Heizung an‘ kommt bestimmt jeden in den Kopf, auch Autisten. Nur: was ist, wenn man gerade Frischluft braucht und die Heizungsluft so grausam furchtbar ist?? Da mault man doch lieber herum, weil einem kalt ist, voll bewusst, dass es auch anders sein kann?? (erlebe ich genau so bei unserem Sohn, er erträgt phasenweise die Heizungsluft nicht)

    Zu der Mail: Ähem…. diese Frage impliziert mir: ‚SIE sind Autistin?? Wieso haben SIE Kinder?? Widerspricht sich das nicht?‘ >> nur weil wir Autisten sind, schließt das eine das andere nicht aus. Es ist bestimmt das eine oder andere im Zusammenleben nicht Nichtautisten erheblich schwieriger, weil es eben gewisse (näher zu erläuternde, nur habe ich da auch gerade keine Lust zu) Defizite gibt, aber deswegen kann man trotzdem liebevoll sein und sein Kind fördern und fordern, nur eben anders.

    Erwachsene nicht in Frage stellen: uuuuuh. Das habe ich immer gemacht und werde ich immer machen. Ich finde ‚erwachsen sein‘ ist schwierig, weil der Anspruch der Gesellschaft ist: dass Erwachsene sich auch erwachsen benehmen müssen, was ich ‚affig‘ finde. Aber das nun auch noch zu erklären würde hier wirklich den Rahmen sprengen. Nur noch so viel: kritisch sein und bleiben, Dinge und Verhaltensweisen logisch (und mit einer gehörigen Portion Humor) zu hinterfragen, entlarvt so manche Unsinnigkeit die viele Erwachsene leben. Das wäre ein nettes Thema für einen nächsten Blog…

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  3. sinnesstille schreibt:

    „Ich hatte just den Eindruck, als wenn Du denken würdest, ich würde genau sowas denken“
    Ohje, nein, das wollte ich damit natürlich nicht ausdrücken! Habe es erklärend ergänzt.
    Erwachsene infrage gestellt hat mein großer Bruder immer, und musste ordentlich dafür büßen. Mit meinem FolgsamSein versuchte ich, alles wieder zu kitten. Blöder Kreislauf.
    Wobei ich Erwachsene schon auch kritisch betrachtet habe. Nur äußern durfte ich es nicht.
    Mein Bild des Frierens und „Pulli/ Decke vs. Fenster zu/ Heizung an“ war eher so gemeint, dass man mit dem Einen versucht, Symptome zu bekämpfen, mit dem Anderen aber die Ursache angeht. So wie in vielen Therapien eben.
    Diesen Eindruck von „Kann eine Autistin überhaupt eine gute Mutter sein“ hatte ich bei der Mail auch, möchte diesen Vorwurf aber nicht gleich unterstellen. Deshalb wird die Antwort darauf sicher länge. Hab ich erstmal kein Problem damit.
    Meine beste Freundin hat mich durchaus schon auch mal gefragt, wie das so ist mit den zwischenmenschlichen Gefühlen. Wenn jemand wirklich aus Interesse fragt, versuche ich das gerne zu erklären. Nur in Verbindung mit „Autisten leiden doch unter fehlender Empathiefähigkeit“ hat das für mich einen bitteren Beigeschmack.

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  4. aspiemom schreibt:

    Alles gut. Ich weiß, dass ich heute gewaltig im off bin und mehr als sonst Dinge wörtlich nehme, scheine aber dennoch noch zu ‚funktionieren‘ wie ich gerade erstaunt festgestellt habe, als ich gelesen habe, was ich geschrieben habe *lol*

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