Auf Eis gelegt

 

Auf meiner geistigen Festplatte liegen einige längere und mir äußerst wichtige Texte, die darauf warten sichtbar zu werden.

Mir passiert es oft, dass ich beim Vorhaben etwas zu schreiben immer tiefer in ein Thema rutsche, mir so viel einfällt, ich dann andere passende Artikel dazu lese, dass ich dann unzufrieden bin, wie durcheinander alles geraten ist. Ich sortiere dann, manchmal auch mithilfe irgendwelcher Kritzeleien auf Papier, und mein Text findet seine Form.

Derzeit ist aber alles eingefroren. Obwohl ich das Schreiben eigentlich sogar als Entspannung und Erdung empfinde und auch brauche, geht gerade gar nichts.

Liegt allerdings an einem greifbaren Grund: Mein Hund ist am Freitag operiert worden, und die Zeit davor war schon voller Gedanken, die ich nicht ordnen konnte, weil sich das ja nicht alles vorhersehen lässt. Ich war kurz vor einem Zusammenbruch. Ich musste zusehen, wie ich ins Ungewisse getrieben wurde, mich treiben lassen musste, in eine undurchsichtige Nebelbank. Und da merke ich wieder, wie belastend dieses „Ich muss wissen, was auf mich zukommt“ sein kann. Worte wie: „Wird schon alles gut gehen“, oder „Jetzt warte doch einfach ab“, sind so gar nicht hilfreich. So sehr ich mir diese Gelassenheit auch wünsche, und obwohl ich ein durchaus optimistischer Mensch bin, kann ich nicht locker lassen.

Ich hatte keine Angst, dass etwas schief geht. Da bin ich sogar recht nüchtern, denn ich weiß, passieren kann alles Mögliche, es kommt wie es kommt. Das mag gefühlskalt klingen, aber so bin ich eben. Ich gehöre auch nicht zu den „Ohje- Oh Gott- Was mach ich bloß“-Müttern, die ihre Kinder wahnsinnig machen, nur weil sie eine Erkältung haben. Ich versorge sie und pflege sie gesund, fertig. Bei meinem treuen Vierbeiner mach ich das nicht anders.

Aber Eines hat mich dann schon beim Abholen aus der Bahn geworfen: Die Praxis hatte nicht, wie vorher gedacht, den passenden Halskragen da, weshalb sie einen „Trichter“ umgelegt hatten, und dieses Ding ist die Hölle! Ich musste meinen Mann dann nach dem Transport nach Hause nochmal los schicken, einen Kragen zu besorgen, während ich aufpasste, dass mein Hund, der immer noch im Delirium war, nicht an das Pflaster am Bauch ging. Er erträgt es nicht, irgendwas an sich dran zu haben, und wie geschickt er darin ist, das so lange zu bearbeiten, bis er geschafft hat, was er wollte, zeigte er mir dann am frühen Morgen danach: Kaum geschlafen, weil Wuff sich einfach nicht beruhigte, bin ich dann doch in einen Tiefschlaf gefallen und wachte auf, als es neben mir auf der Couch klapperte. Trotz Schutzanzug und passendem Kragen stand der Kerl nackig neben mir. Der Schutzanzug hing zur Hälfte runter, das Pflaster war weg.

Gummihund?

Ab da ging es ihm aber gut. Er ging glücklicherweise nicht an die Naht. Meine Tochter hat den Schutzanzug genäht und an manchen Stellen verstärkt, der Kragen ist nun nicht mal mehr nötig, ich bekomme nur einen hündischen Blick: „Mann, ich komm nicht ran – das zwickt aber, Muttiiiii!“, und damit ist es gut. Seit gestern Nachmittag merkt man kaum noch, dass dieses Tier eine OP hatte, ich muss natürlich arg aufpassen, dass sich der Herr nicht übernimmt. Das ist mir bekannt und vertraut, damit kann ich umgehen.

Und heute kann ich dann endlich mal wieder entspannt duschen gehen, ein bisschen saugen und putzen, und die Normalität zurück erobern.

In diesem Sinne: Einen schönen Tag Euch allen!

 

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11 Antworten zu Auf Eis gelegt

  1. autistanbord schreibt:

    Dein Hund muss mit meinem Mann verwandt sein. Ich wünsche dem Wuff weiter gute Besserung!
    Das mit der immer weitergehenden Recherche kenne ich auch.
    Ich bin immer wieder sehr froh, dass ich eine Gedankensortiermethode besitze, die eigentlich fast immer wirkt. Wenn diese anfängt zu versagen, habe ich allerdings wirklich ein Problem. Ich habe dann zwar noch eine „stärkere“ Methode, die aber nicht ohne größere Vorbereitung einsetzbar ist, und auch nur mit einem gewissen zeitlichem Vorlauf. Zum Glück komme ich an den Punkt nicht allzu oft.

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  2. aspiemom schreibt:

    Oha! Erinnert mich an den letzten Sommer, als unser Hund an einem von uns lange lange Zeit negiertem Geschwulst am Knie des Hinterlaufs operiert worden ist. Wir haben im übrigen bewusst keine Histologie machen lassen, aber das ist ein anderes Thema, aber mir gingen ähnliche Dinge durch den Kopf bis hin ‚wacht er aus der Narkose auf?‘ usw… Tiere gehören einfach dazu, sind Familienangehörige, wichtige!!
    Unser Hund, ein Border Collie, ist auch so einer… er hat sich sogar die Fäden aus der Wunde gekaut… Ich war blank verzweifelt und habe über Senf, Flüssigseife, Wasabi, alles was recht ekelig sein sollte für einen Hund, mit in den jeweiligen Verband eingebaut. Tochter ist Krankenschwester und hatte auch noch die eine oder andere Idee, denen dann alle vorhandenen Seidenstrumpfhosen zum Opfer gefallen sind (in Stücke geschnitten über Pflaster und Verband, mit o.g. Zusatzstoffen plus selbstklebenden Tapeverband und diversen Lagen Plaster am Bein fixiert…). Es war die Hölle. Es ist unglaublich wie unglaublich beweglich Hunde sein können, wenn es etwas gibt, was sie stört, was sie absolut nicht ausstehen können und wollen. Da entwickelt Hund sogar eine Vorliebe für Löwensenf….

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    • sinnesstille schreibt:

      Ha, ekelige Gerüche oder Geschmäcker halten den Burschen auch nicht ab. Und ich stelle immer wieder fest: Hütehunde (hab nen Aussie) sind in der Genesungsphase die Pest. „Mir? Schlecht? Niemaaals!!“

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      • aspiemom schreibt:

        stimmt! ich muss gerade herzhaft lachen und habe diverse Situationen im Kopf, wo man echt denken konnte ‚huch, war es das jetzt?‘ und er kam wie der ‚Phönix aus der Asche‘..

        Und ich denke gerade, sind wir nicht auch so? Sehr fragil, sehr zerbrechlich, aber wenn es drauf ankommt, dann schaffen wir alles und sind unglaublich zäh… irgendwie

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  3. JanJan schreibt:

    Oh je kann ich gut nachfühlen, wir haben ja die OP auch noch nicht so lange hinter uns. Wünsche schnelle Genesung.
    Das mit der Info Suche kann sich mitunter dermaßen ausweiten, dass ich letztendlich manchmal vom ursprünglichen Thema völlig abkomme…

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