Wunschdenken: Erdlöcher und Blitzeinschlag zum Mitnehmen

Ich bin ja wirklich ein äußerst friedliebender Mensch. Wirklich! Ich wünsche selten jemandem was Schlechtes, selbst wenn ich denjenigen nicht mag, der ist mir im besten Fall einfach egal. Wenn ich mich richtig ärgere, dann kommt schon mal ein dahin gedachter Spruch, ganz harmlos. Ehrlich! Und ich hab dann auch sofort ein schlechtes Gewissen und entschuldige mich im Geiste für diese Gedanken. Aber gestern…

Aber halt! Von Anfang an:

Ich war am Abend mal wieder mit meinem Mann im Kino. Schon als wir ankamen, war der Raum vor dem Tresen voll. Ich drehte ab und verkroch mich mit einem „Nee“ in die Ecke, was meinem Mann signalisierte, dass er die reservierten Karten allein holen sollte. Als er sie hatte, gingen wir raus eine rauchen, um dann etwas später wieder rein zu gehen. Es war etwas weniger los, da Viele bereits in einem der Kinosäle verschwunden waren, also stellten wir uns gemeinsam an, um Getränke und Knabbereien zu holen. Wir bekamen unsere Sachen, ich fragte meinen Mann, ob ich ihm was abnehmen könne, woraufhin er mir zwei Flaschen hin hielt, ich griff nach der einen, aber er ließ die andere los. Klatsch!

Erdloch, wo bist du, wenn man dich braucht!?

Während ich gewissenhaft die Scherben aufsammelte – geholfen hatte natürlich keiner – und mein Mann ein neues Bier kaufte, hörte ich hinter mir schon so was wie „Schuhe aus Stoff — Das stinkt —“. Mein Herz raste, wir hielten ja eh schon alles auf, es war mir unsagbar peinlich, und als wir uns umdrehten, sagte ich natürlich ganz beschämt „Sorry, tut mir leid“ zu der Dame, die direkt hinter uns stand, und offensichtlich ein paar Spritzer abbekommen hatte.

Was kam als Antwort? Ein total pampiges „Ähä“ (irgendwie kann man das nicht schreiben, aber vielleicht wisst Ihr, was ich meine). Und diese Art macht mich so richtig aggro! Ich antwortete: „WAS? Kann doch mal passieren!?“ und ging so schnell wie möglich weg, obwohl ich am liebsten ausgeholt hätte… Nein, so was mach ich nicht. Aber dieses Gefühl in mir… „Noch ein falscher Ton und ich…“ Boah, ey! Was ist bloß los mit den Menschen? Und so beschränkte ich mich auf ein gedachtes „Der Blitz soll dich treffen und dein Hirn einschalten!“

Wir also in den Kinosaal, perfekter Platz, denn neben und hinter uns war niemand mehr, ich wie immer brav das Handy auf lautlos gestellt… Was ich allerdings nicht bedachte war:

Mein Medikamenten-Alarm. So fing es Punkt halb acht an, aus meiner Jackentasche zu klimpern… „Shit — ah — hier — aus! — Ah, nein, Mist! Ich hab auf die Schlummerfunktion getippt! Mist! Mist! Mist!“ Und während mein Herz beinahe aus der Brust sprang, so sehr wie es klopfte, ich den Alarm komplett ausmachte, wünschte ich mir das zweite, noch viel größere Erdloch, in dem ich verschwinden konnte, und am besten nie wieder raus kommen möchte!

Das ist alles so grausam! Unter diesen Gefühlen habe ich schon in meiner Kindheit sehr gelitten. Einerseits diese leicht hervor zu bringenden Aggressionen, wenn mich jemand reizt, die ich aber zu schlucken lernen musste, andererseits diese unbändige Angst vor Fehlern, vor Peinlichkeiten, vor Blamagen…

Naja, unterm Strich war der Film klasse, wir fuhren wieder nach Hause, und beim Kochen entspannte ich mich dann langsam wieder.

Diese Situationen hallen allerdings in meinem Kopf immer so lange nach. Immer und immer wieder sehe ich mich darin in Dauerschleife. Meist hält das ein paar Tage. Da beneide ich manchmal die Gelassenheit anderer Menschen, die das mit einem Schulterzucken von sich abschütteln und darüber lachen können.

 

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