Ich und die Romantik

-Stimmt, heut ist ja Hochzeitstag

16 Jahre befinde ich mich mit meinem Mann nun im Bund der Ehe.
Seit 20 Jahren gehen wir durch Dick und Dünn.
Zugegeben, oftmals war ich drauf und dran, meine Sachen zu packen und das Weite zu suchen. Es gibt Tage, da nimmt er mir die Luft zum Atmen, allein durch seine Anwesenheit.
Dabei geht es nicht mal primär um seine Unzulänglichkeiten, die er, wie jeder andere Mensch auch, vorweisen kann, sondern um Situationen, in denen wir einfach nicht kompatibel sind in Verbindung mit meinen Schwierigkeiten im Alltag.

Manchmal bin ich so durch, dass ich lieber allein wäre.
Blöd nur, dass der Kerl, der die Miete zahlt, hier auch noch seinen festen Wohnsitz hat.
Er gehört auch nicht zu den wenigstens angehaucht sensiblen Männern, die aufmerksam auch Kleinigkeiten bemerken. Klar, Mann halt. Wobei er schon eine Extra-Marke ist.

Das macht sich im Alltag schon bemerkbar. Er holt sich was zu trinken und denkt nicht im Traum daran, mich zu fragen, ob ich auch etwas möchte.
Er weiß mittlerweile, dass mich so lapidare Angelegenheiten wie „Wäsche auf dem Badezimmerboden, leere Bierflasche im Regal, unaufgeräumte Kochzutaten, usw.“ völlig aus der Fassung bringen. Ok, er geht arbeiten, ich bin zu Hause. Ich sehe es durchaus als meinen Job an, hier für Ordnung zu sorgen. Aber fünf Leuten hinterher zu räumen (ich selbst habe den Ordnungssinn noch nicht zum Bleiben überreden können) finde ich unfair und bremst mich unheimlich aus, weil es mich Nerven und Kraft kostet, was mir dann an anderer Stelle fehlt.

Wieso aber kann ich aus vollstem Herzen dennoch sagen:
DAS ist MEIN Mann?
Er vervollständigt mich.
Er lässt mir trotz meinen Macken mein Leben.
Er trägt meine Unzulänglichkeiten mit.
Wenn es wirklich brennt, sieht er es doch und gibt mir das Gefühl, an meiner Seite zu stehen, auch wenn die Welt untergeht.
Er weiß, er braucht mir nicht mit Blumen kommen, die mein überempfindliches Riechorgan belästigen, während sie den unvermeidbaren Tod sterben.
Pralinen – ok, nehm ich. Aber mehr freut mich unterm Jahr, wenn er mir was mitbringt, was ich gerne mag.
Meine Spinnereien nimmt er inzwischen größtenteils mit Humor, so dass wir auch gemeinsam darüber lachen können.
Und er stellt an mich keine Erwartungen, die ich eh nicht erfüllen kann. Oft tut mir das sehr leid, ich wäre gerne „besser“ für ihn.
Ich tu‘ mir schwer damit, mit einem anderen Menschen in einem Bett zu schlafen, oder abends zusammen gekuschelt auf der Couch zu liegen. Auch das tut mir leid. Ich weiß, es fehlt ihm, aber er beschwert sich nicht.
Ich genieße diese Lockerheit, die er auszustrahlen im Stande ist.
Ich halte mich an seiner inneren Ruhe fest, wenn mir meine ausgegangen ist.

Und zum Hochzeitstag?
Er hat Karten für Stomp besorgt, die ich so sehr liebe. Entdeckt, und an mich gedacht.
Mir kommen die Tränen. Ich bin gerührt.
Mein Mann!
Ich liebe Dich!

 

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8 Antworten zu Ich und die Romantik

  1. perfeclty me schreibt:

    Alles gute zum Hochzeitstag

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  2. JanJan schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch… Ich finde mich in deiner Erzählung sehr wieder.

    Gefällt 1 Person

  3. Leon Maus schreibt:

    Erfahrungsgemäß werden die zweiten 16 Jahre noch besser. Und es gibt nichts Besseres als mit einem Mädchen des loyalsten Menschenschlages verheiratet zu sein.

    Gefällt 1 Person

  4. Luise Kakadu schreibt:

    Auch von mir alles Liebe zum Hochzeitstag.
    Ich mußte ein bißchen schmunzeln, weil es mich sehr auch an meine Ehe erinnert.
    Und auch, weil ich mir gut vorstellen kann, dass es tatsächlich immer schöner und entspannter werden kann. Das ist eine verdammt wärmende und beglückende Vorstellung.
    Ich wünsche Euch eine tolle, liebevolle weitere Zeit. ❤

    Gefällt 1 Person

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