Seltsame Zeiten brechen an

 

Der Lauf der Dinge macht sich gerade bemerkbar. Mein ältester Sohn zieht zum Monatswechsel aus. Mein erstes Kind tritt den letzten Schritt in die Eigenständigkeit an.

Stolz begleitet mich. Zu sehen, wie weit er gekommen ist, was für ein Mensch aus ihm geworden ist… Ja, so kann man ihn in die Welt da draußen entlassen.

Komisch wird es sein. Er, der mir so nahe steht, der mit mir innigste und vertrauteste Gespräche führen kann, der versteht, der nicht verurteilt, der mich schon mehr als die Hälfte meines Lebens begleitet und es mit sich selbst bereichert. Zwar ist er so unauffällig, dass man ihn in unserer Familien-WG kaum zu sehen bekommt, aber ich fühle seine Anwesenheit, selbst hinter verschlossenen Türen. Sein verschlafenes Gesicht nach dem Aufwachen, unsere wortlose Kommunikation, unser „einer sagt genau das in dem Moment, als es der andere gerade sagen wollte“… Das wird mir fehlen.

Dennoch überwiegt die Freude. Und das nicht nur für ihn, sondern auch für mich.

Wir werden einen Raum mehr haben. Zu fünft in einer Vier-Zimmer-Wohnung lebt man schon sehr eingeschränkt, ich habe für meine Kinder immer gerne zurückgesteckt, damit sie sich frei entfalten können, aber ich freue mich, dass sich das nun entspannen wird.

Wir werden Zimmer tauschen; der Jüngste bekommt das von seinem Bruder, und mein Mann und ich richten uns ein Schlafzimmer ein. Ein eigenes Zimmer! So richtig mit Tür dran zum Zumachen, wenn ich mich tagsüber zurückziehen möchte (oder muss)! Ich kann es noch gar nicht fassen! Und ein Bett mit zwei neuen Matratzen! Mein Rücken wird sich bedanken. Auch wird das Wohnzimmer dann wieder offener, weil der bisherige Schlafbereich meines Mannes weg fällt. Allerdings bin ich gespannt, ob ich dann, wenn wir wieder ein großes Bett haben, dort auch nachts schlafen kann. Ich tu‘ mir nun mal schwer, so nah an einem anderen Menschen zu entspannen. Und oftmals reichen nicht mal viele Meter Abstand. Aber ich lass mich von meinem Empfinden leiten, vielleicht überrascht es mich ja.

Ich freue mich jedenfalls auf diese Veränderung. Schon jetzt beginne ich mit Hin- und Herräumen, aussortieren, weg werfen, mein Kopf beinhaltet schon, wie es fertig aussehen wird. Im August geht es dann rund hier in der Bude. Auch das mache ich total gerne!

Getrübt wird das Ganze von einer Neuerung, mit der ich mich gar nicht anfreunden kann: Heute bekommen wir Feuermelder installiert. Seit dem ich das weiß, schlafe ich schlecht. Meiner Tochter gruselt es genauso davor, sie hat das vor einem guten Jahr bei ihrer Freundin mitbekommen. Nicht dieses kleine Ding an sich, Feuermelder sind halt jetzt Pflicht, so what! Aber… *heul* da kommt was an die Decke, was vorher nicht da war! Nebenbei erinnere ich mich an Horrorgeschichten über „Fehlalarme“ und „Blinken“. Ich sehe mich schon des Nächtens nach einem Besenstiel tasten und durch die Wohnung irren um heraus zu bekommen, welches Piepen abgestellt werden muss, oder meine tobende Tochter beruhigen, weil das Ding in ihrem Zimmer losgegangen ist. Ich werde beim Fernsehen mehr an die Decke glotzen als in den Bildschirm. Ich werde instinktiv den Kopf einziehen, wenn ich durch den langen Flur gehe. Weil eben… Da hängt was…

Das mag jetzt für Viele total überzogen und lächerlich klingen. Aber doch, ich habe Angst. Ich bin ein visueller Mensch, und mir fallen optische Veränderungen in meinem Umfeld sofort auf. Es lenkt mich ab und beschäftigt mich so sehr, dass ich teilweise handlungsunfähig werde. Schon jetzt wandere ich ständig durch die Wohnung.

Das prallt dann auch noch damit zusammen, als dass es hier aussieht wie Sau, weil ich doch schon am Räumen bin. Und da dann Handwerker rein lassen, die sich hier durchwurschteln müssen… *nochmal heul*

Aber da muss ich wohl oder übel durch. Vielleicht kommt dann der Aus-Umzug gerade recht. Wir werden sehen.

 

Nachtrag: Fertig. Ruck zuck, dran damit! Nach flottem Bohren und Anbringen ist alles erledigt.

Ich habe so was von Glück! Ins Wohnzimmer kam kein Feuermelder an die Decke. Die kommen in Schlafräume und Fluchtwege. Und weil in drei Wochen keiner mehr im Wohnzimmer schläft, meinte der Typ „Dann nicht.“ *jubel*

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4 Antworten zu Seltsame Zeiten brechen an

  1. Luise Kakadu schreibt:

    In unserer vorherigen Wohnung hatten wir – trotz der insgesamt doch eher unglücklichen Zustände – das Glück, dass unsere Vermieterin sich ja immer gern aus allem raus hielt.
    Und wir auf diese Weise die Feuermelder auf ihre Kosten, nach Absprache, selbst installierten.

    Bei Otto gab es Feuermelder ohne Blinklichter.
    Und weil ich sie gerne „im Notfall“ schnell abnehmen können wollte (und zum Fenster rauswerfen, wenn sie kreischen), befestigten wir sie mit selbstklebenden Magnethaltern.
    Vielleicht hast ja auch Du eine Option, hierauf Einfluß zu nehmen?

    In unserer jetzigen Wohnung wurden sie vom Vermieter angeschraubt.
    Aber „nur“ in Flur, Kinder- und Schlafzimmer. Keiner im Wohnzimmer.
    Irgendwann vergißt man die Dinger aber tatsächlich.

    Bzgl. der Veränderungen in deiner Familie wünsche ich Dir/Euch alles Liebe.
    Es ist tatsächlich ein großer Einschnitt, wenn ein Kind das Haus verläßt.
    Oftmals führt er auch zu weiteren, großen Verbesserungen und Vertiefung der Beziehung.

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  2. autistanbord schreibt:

    Hilft es dir, wenn ich dir sage, dass wir seit 8 Jahren einen haben, und der noch nie einen Fehlalarm hatte (Feuermelder, meine ich).

    Gefällt 1 Person

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