Ich – die Angst wird größer

In vier Monaten soll meine lange Wartezeit vorbei sein.

Lange habe ich gebraucht, um überhaupt bei der Psychologin anzurufen, die mir zur Diagnostik empfohlen wurde, und von der man nur Gutes gelesen hat, um dann zehn Monate ausharren zu müssen… Was mir allerdings klar war.

Nun lese ich viel über Selbstdiagnosen, Verdachts-Autisten, deren Anerkennung und Ablehnung. In Kombination mit all den Beiträgen erwachsener Autisten über ihre Erfahrungen und ihr Leben, bei denen ich so viel bei mir selbst entdecke, steigt nun auch die Unsicherheit in mir.

Muss ich denn überhaupt zur Diagnostik? Kann ich nicht alles einfach so lassen und mit meinem Gefühl „ich könnte mir vorstellen, im Spektrum zu sein“ einfach weiter machen?

Von einfach kann hier nicht die Rede sein. Selbstdiagnostiziert? Das könnte ich so nie stehen lassen. Könnte ja alles Einbildung sein, ich könnte mir was weiß ich einreden. Und schließlich die Anmerkungen wie „Was willst du eigentlich? Du kommst doch gut zurecht?“

Wie bitte?

Dann doch wieder Zweifel an  meiner eigenen Wahrnehmung meines Selbst.

Und was, wenn die Psychologin selbst sagt: „Sie sind keine Autistin“? Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen soll.

Natürlich habe ich mich mit Differenzialdiagnosen beschäftigt, mich gefragt, ob es was anderes sein kann, was es mir im Leben so schwer macht. Aber irgendwie fühlt sich das alles nicht passend an. Vielleicht mal ein Bruchteil, der stimmig ist, wie z.B. Angststörungen, wobei die bei mir eher in Belastungssituationen auftreten, Burnout, für mich zeitweise logisch, schließlich bin ich fix und alle, meine Kräfte sind oft aufgebraucht, Schizophrenie, da seh ich mich gar nicht,… und so gehen meine Gedanken weiter.

Weiter durch meine Kindheit, Gespräche mit meinem Bruder, der als Einziger noch da ist, der mich mein Leben lang kennt, Gespräche mit einer guten Freundin, die sich alles mal von mir hat erzählen und beschreiben lassen, und mir zusicherte „normal“ sei das nicht.

Das ist auch so ein Punkt: Bei manchen Dingen wird mir jetzt erst bewusst, dass andere Menschen dies oder jendes Problem gar nicht so haben, in dieser Form gar nicht wahrnehmen, teilweise ganz anders denken, fühlen, handeln, usw. Ich für mich kenne es ja nicht anders. Ich hatte mich nur immer gefragt, wie andere das alles so hinbekommen. Dass es Menschen gibt, die gar nicht so empfinden wie ich, das wusste ich lange Zeit überhaupt nicht.

Noch vier Monate. Dann werde ich von einer „Fachkraft“ begutachtet und beurteilt.

Verurteilt?

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