Gefunden und hinterfragt – weil es mich wirklich interessiert

Ich werde nicht aufhören, alles zu zerpflücken und zu durchleuchten, bis mir jemand eine annehmbare Erklärung liefert. Mag sein, dass manche davon genervt sein werden, jedoch möchte ich jedem Menschen die Chance geben, sich konstruktiv an Diskussionen zu beteiligen.

Ich will es verstehen. Meinungsbildung kann nur aufgrund von Wissen und Verstehen entstehen. Ich suche und vergleiche nun mal gerne Informationen, wenn mich etwas wirklich interessiert.

Quelle: autismushamburg.de

ABA APPLIED BEHAVIOR ANALYSIS

ABA ist die derzeit wirksamste und am besten untersuchte Methode zur Behandlung des frühkindlichen Autismus.

Schon hier fängt für mich unseriöser und respektloser Umgang mit der Umwelt an.

Seine Methode als die einzig Wahre zu präsentieren, hat etwas Überhebliches. Fast schon hilflos erscheint dieser Hinweis, als ob man jeden davon überzeugen müsste, Recht zu haben und alle anderen machen es falsch. Wie ein trotziges kleines Kind, das noch nicht gelernt hat, über den eigenen Tellerrand hinüber zu sehen.

Zwischen 1985 und 2006 sind über 500 empirische Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften über ABA erschienen. Insbesondere neuere Studien belegen, dass durch ABA die Hälfte aller behandelten Kinder ein normales Funktionsniveau in Bezug auf Intelligenz und eine wesentliche Verbesserung des Sozialverhaltens und der Emotionalität erreichen.

Hat sich schon einmal jemand mit dem Begriff „Empirie“ und den damit verbundenen Grenzen beschäftigt?

Einige ABA-Studien werden jedoch dahingehend kritisiert, dass es keine Kontrollgruppen gibt, bzw. Teilnehmer nicht zufällig in die ABA-Gruppe und die Kontrollgruppe verteilt wurden. Methodische Schwächen wie diese lassen nur eingeschränkt Rückschlüsse auf die Wirkung von ABA zu, müssen jedoch auch vor dem Hintergrund der (kaum vorhandenen) Forschungen zur Wirksamkeit alternativer Ansätze gesehen werden.

Dass es kaum vorhandene Forschungen zur Wirksamkeit alternativer Ansätze gibt, finde ich schon sehr erstaunlich. Diese Behauptung schiebe ich in o.g. Schublade – „Nur bei uns ist alles hieb- und stichfest.“

Die Verfahrensweisen von ABA basieren im Wesentlichen auf Methoden des operanten Konditionierens:

  • Lernversuche und -erfolge sowie erwünschtes Verhalten werden unmittelbar verstärkt, wobei primäre Verstärker (z.B. Nahrungsmittel) und sekundäre Verstärker (z.B. Spielzeug) eingesetzt werden.
  • Negatives Verhalten wird möglichst schon bevor es auftritt
    verhindert. Sollte das einmal nicht gelingen, wird es abgebaut, z. B.
    durch Ignorieren und Hinwendung zu erwünschtem Verhalten. (Im Gegensatz dazu wurde früher, in den Anfängen der ABA-Forschung, Fehlverhalten zunächst auch bestraft, weshalb das Verfahren von uninformierten Gegnern auch heute noch abgelehnt wird.)

Hier wird wieder betont, dass nur früher Fehlverhalten bestraft wurde, mittlerweile angeblich nicht mehr.

Bei Bestrafung haben wir automatisch „positive Bestrafung“ im Kopf.

Achtung: „positiv“ bedeutet hier: „Ich füge etwas hinzu“, körperliche Schmerzen z.B. durch Schläge.

Gleichzeitig wird aber beschrieben, dass negatives Verhalten ignoriert wird.

Dazu muss man wissen, dass man hierbei von „negativer Bestrafung“ spricht, „negativ“ = „ich nehme etwas weg“, hier: Aufmerksamkeit!

Vor allem soll so eine Motivation zum Lernen erreicht werden. Die mit Hilfe von ABA entwickelte generalisierte Neigung zur Imitation des Verhaltens anderer stellt eine wichtige Grundlage für das weitere Lernen dar.

Persönliche Erfahrungen von Mitgliedern der Elterninitiative zeigen, dass die Kinder durchweg sehr viel Spaß in den Therapiestunden haben und die Therapie meist, auch aufgrund der intensiven Zuwendung in der 1:1-Situation, als frühliches Spiel erleben.

ABA-basierende Therapieprogramme bieten das gemeinnützige Institut für Autismusforschung Breme (BET) sowie der kommerzielle Anbieter Knopse ABA.

(Hinweis: Nein, die Rechtschreibfehler stammen nicht von mir, sondern wurden 1:1 übernommen.)

Abschließend möchte ich einige Fragen stellen, die mir bisher immer noch nicht beantwortet wurden.

Werde ich jemals konkrete Beispiele erklärt bekommen?

Wenn es immer wieder heißt, dass sich ABA-Kritiker nicht ausreichend informiert haben, warum klärt man uns dann nicht auf?

Ich stelle mir also vor, und hierbei werfe ich einfach mal ein paar Zahlen in den Raum, drei Mal pro Woche (auch wenn immer wieder die Rede von 30 Wochenstunden ist, daran möchte ich nicht mal denken) kommt ein Co-Trainer zu uns ins Haus, der vermutlich ein Ziel im Kopf hat, woran er gerade arbeiten möchte, je nach Entwicklungsstand und Leistungsfähigkeit des Kindes. Vermutlich gibt es einen Hilfeplan mit Teilzielen, die man in einem bestimmten Zeitfenster versucht, zu erreichen.

– Wie wird ein Kind motiviert?

– Wie geht man mit Ablehnung und Kontaktverweigerung um?

– Was, wenn das Kind gerne etwas anders machen möchte?

– Ignoranz von Fehlverhalten; Ist das nicht ein Zeichen, etwas nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, ein Mittel von jemandem, der sich nicht um Wissen, Erkenntnis und Wahrnehmung bemüht? Lässt sich daraus nicht schlussfolgern, dass man das Programm über die Bedürfnisse des Kindes stellt?

– Was genau ist denn Fehlverhalten? Wird dabei der Auslöser berücksichtigt?

– Was passiert nach der Therapie?

– Kann ein Kind, welches früh sehr intensiv therapiert wurde, das konditionierte Verhalten wirklich in andere Lebensbereiche und Situationen übertragen? Intuitiv und ohne Anleitung?

– Wo sind die Berichte der Autisten selbst, die ABA erlebt haben? Wenn ABA so erfolgreich ist, müsste es ja von Danksagungen und Lobeshymnen nur so wimmeln!? Aber ich finde: Nichts! Im deutschsprachigen Raum erst recht nicht. Warum nicht? Das wäre doch DIE Werbung schlechthin!?

Ich gebe zu, ich kann ABA nichts Positives abgewinnen, aber es wird einem auch unheimlich schwer gemacht.

Wenn dann von einzelnen Befürwortern betont wird, dass es unterschiedliche Anwendungsformen gibt, warum nennt man es denn dann ABA? Man versucht, die negative Betrachtungsweise aufzuweichen und schön zu reden. Man geht sofort in die Verteidigungshaltung. Allerdings auch hier immer nur von Eltern und Therapeuten, nie von Betroffenen selbst. Es wird darum gekämpft zu erklären, was ABA angeblich NICHT sei, anstatt Beispiele anhand von Berichten und Filmen zu veröffentlichen, die Ansichten ändern könnten. Fragen ABA-Gegner nach, so wie ich hier mal wieder, „Wie ist es denn dann?“, wird uns vorgeworfen, nicht oder fehlerhaft informiert zu sein.

Ich will es verstehen! Ich will es sehen! Wer wirklich hinter einer Sache steht, darf sich auch gläsern in die Öffentlichkeit stellen.

Die von mir als Beispiel genutzte Seite von autismushamburg.de wird nicht dazu beitragen können, Kritiker umzustimmen.

Und es gibt unzählige Seiten zu finden, auf denen sich nur der schwarze Peter zugeschoben wird.

Aber so richtig in die Karten sehen lässt sich ABA auch nicht.

Auf Eure Reaktionen bin ich gespannt.

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Eine Antwort zu Gefunden und hinterfragt – weil es mich wirklich interessiert

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